"Wenn in einer immer noch reichen Gesellschaft wie der deutschen ein Viertel der Menschen von Armut betroffen oder bedroht ist, stellt das ein erschütterndes Indiz für staatliches Versagen dar", sagte Bernd Schauer, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag, 19. Mai 2008 in Kiel zum Armutsbericht der Bundesregierung.
"Der Schlüssel für die Reduzierung von Armut liegt in der Bildung der Menschen. Deshalb muss hier endlich mehr investiert werden. Wir brauchen eine bessere frühkindliche Bildung, mehr Lehrkräfte, einen Ausbau der Betreuung von gefährdeten Jugendlichen und längeres gemeinsames Lernen aller Kinder, damit sich Armut in den Familien nicht von Generation zu Generation fortsetzt."
Der GEW-Landesgeschäftsführer wies darauf hin, dass die Kinderarmut in Schleswig-Holstein unaufhörlich wachse. Rund 74000 Kinder unter 15 Jahren seien nach der Statistik der Agentur für Arbeit hilfebedürftig. "Diese Kinder haben von vornherein schlechtere Bildungschancen als andere. Sie werden häufiger krank, bleiben in der Grundschule öfter sitzen und besuchen seltener das Gymnasium. Als "Kindern zweiter Klasse" wird Ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verwehrt. Dagegen muss endlich was getan werden", so Bernd Schauer.
In Schleswig-Holstein liegt die Armutsquote unter Kindern bei 17,4 Prozent. In den kreisfreien Städten hat die Kinderarmut sogar dramatische Ausmaße erreicht. In Kiel fallen 33,1 Prozent unter die Armutsgrenze, in Lübeck, Neumünster und Flensburg jeweils um die 30 Prozent.