Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bewertet die positive Bewertung der Schulreformen in Nordrhein-Westfalen durch die Studie "Politik-Check Schule" des Instituts der deutschen Wirtschaft als "zweifelhaftes Unternehmerlob für die schwarz-gelbe Schulpolitik".
"In dieser Studie wird doch nur die Ankündigungspolitik der Landesregierung und nicht die wirkliche Entwicklung in den Schulen zum Maßstab der Bewertung gemacht", kritisierte GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber in einer ersten Reaktion die Ergebnisse der bundesweiten Vergleichstudie zur Schulpolitik, die das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" erstellt hat.
Gerade die Bemühungen um mehr Selbstständigkeit der Schulen sind nach Auffassung der GEW noch wenig entwickelt. Der erfolgreiche Modellversuch "Selbstständige Schulen" mit landesweit 278 teilnehmenden Schulen läuft mit Ende des Schuljahres aus. "Unklar ist aber immer noch, welche Freiheiten die Schulen ab dem neuen Schuljahr haben und mit welchen Ressourcen für Personal und Fortbildungen die Schulen ihre Selbstständigkeit gestalten können", bemängelte Meyer-Lauber.
Die von der Studie gelobte Einführung der Schulinspektion in NRW ist nach Einschätzung des GEW-Vorsitzenden miserabel ausgestattet, die international üblichen Unterstützungssysteme für die Schulen seien nicht vorhanden. Voraussichtlich vergingen mehr als zehn Jahre, bis jede Schule in NRW einmal überprüft werde. "Schlimmer noch: Nach der Diagnose der Schulinspektoren bekommen die Schulen keine zielgerichtete Unterstützung angeboten," so Meyer-Lauber.
Völlig abwegig sei die Kritik der IW-Studie am Verfahren zur "schulscharfen" Einstellung von neuen Lehrkräften. "Das Einstellungsverfahren wird breit akzeptiert und von den Schulen mit großem Engagement betrieben," weiß Meyer-Lauber. In den Einstellungskommissionen seien neben der Schulleitung gewählte Vertreter der Lehrkräfte und der Schulkonferenz, auch Eltern, tätig.