VBE sieht verkehrte Welt: Bundestag macht elf Wochen Sommerpause, für Schüler sollen sechs schon zuviel sein
Mehr zu: Baden-Württemberg, Bildungswesen, Ferien, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Unterrichtsausfall, Schule"Es hatte ja wieder kommen müssen, das Sommerferientheater", meint der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg zu dem Stück, das mindestens einmal jährlich mit unterschiedlich besetzten Rollen aufgeführt wird. Diesmal ging der Anstoß vom heimlichen Kultusminister Baden-Württembergs, Günther Oettinger, aus, der Schüler in den seiner Meinung nach zu langen Ferien mehr betreut sehen möchte.
"Nur weil Erwachsene nicht so viele Wochen Urlaub im Jahr haben wie ihre Kinder Ferien, darf man den Schülern nicht deren unterrichtsfreie Zeit neiden", moniert der VBE-Sprecher. Schüler benötigten andere Zeiten der Entspannung und Regeneration als deren Eltern. Dass die unterschiedlichen Bedürfnisse zu Problemen bei der Betreuung und Beaufsichtigung der Kinder führen können, zumal wenn beide Eltern berufstätig sind, räumt auch der VBE-Sprecher ein, seien aber kein Grund, den Schülern die "schönste Zeit des Schuljahres", die Schulferien, zu kürzen. Ein "Kinderland Baden-Württemberg" sei eben nicht mit dem "Elternland" deckungsgleich. Für Schüler gleich welchen Alters sind freie Tage Höhepunkte im Schuljahr. Eltern erfahren insbesondere die Sommerferien als eine ständige Herausforderung an das eigene Nervenkostüm. Wenn Oettinger Schüler in den Ferien betreut haben möchte, muss er das auch finanzieren.
Schon wiederholt wollte Oettinger die Sommerferien zurechtstutzen. Als CDU-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag schlug er bereits 2003 vor, Lehrern "Freizeitprogramme für Schüler" und ein "Nacharbeiten des Unterrichtsstoffes" in den Ferien zu verordnen. Ein Vorschlag, den der VBE gleichfalls auf Politiker übertragen wissen möchte, die dann so manche unerledigte "Hausaufgabe" noch während der "viel zu langen" Parlamentspause aufarbeiten müssten.
Ein Vorwurf, der sich hartnäckig hält, ist das Märchen vom "völlig zerstückelten zweiten Schulhalbjahr". Der VBE sieht es nach wie vor für sinnvoll an, weiterhin um die Zeit der kirchlichen Hochfeste wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten kleinere Ferienabschnitte als Phasen der Besinnung oder zur Regeneration zu legen. Tage angespannten Arbeitens sollten sich mit ausreichend langen Zeiten der Entspannung abwechseln.
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