Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg begrüßt es, wenn die Landesregierung, wie vom Südwestrundfunk angekündigt, den Klassenteiler senken würde. "Kleinere Klassen sind kein Luxus, sondern sinnvoll und pädagogisch notwendig", versichert VBE-Chef Rudolf Karg.
Es war zynisch, dass bisher Forderungen nach Senkung des Klassenteilers damit abgeschmettert wurden, dass die Klassengröße angeblich keinen Einfluss auf den Unterrichtserfolg habe. "Wer so etwas als unumstößliche Tatsache hinstellt, hat wahrscheinlich noch nicht wirklich den Unterschied zwischen einer Schulstunde in einer übervollen Klasse mit 33 Kindern und in einer mit nur 22 Schülern am eigenen Leib über längere Zeit erfahren", behauptet der VBE-Chef.
Selbst wenn die Statistik von mehr Klassen unter 30 als über 30 ausgeht, so gibt es doch erschreckend viele, in denen Aufmerksamkeit und Zuwendung des Lehrers durch eine viel zu große Zahl an Kindern geteilt werden müssen.
Außerdem sind da noch verstärkt Schüler mit Sprachdefiziten und Konzentrationsschwäche, mit Kontaktschwierigkeiten, mit Essstörungen oder Suchtproblemen, mit Lernbehinderungen respektive motorischen Störungen, vereinzelt auch Jugendliche mit extrem negativer Einstellung zu sich selbst oder zur Gesellschaft. Es gibt Schüler, die den Lernanforderungen nicht entsprechen und trotzdem nicht genügend Begleitung und Unterstützung erfahren dürfen. Es gibt Kinder und Jugendliche aus Elternhäusern, in denen der Erziehungsauftrag nur eingeschränkt oder gar nicht wahrgenommen wird, in denen elementare Grundbedürfnisse nach Nahrung, Hygiene und Zuwendung vernachlässigt werden.
Die Zahl der Schüler mit individuellem Förderbedarf, denen man in viel zu großen Lerngruppen nicht gerecht werden kann, ist zu hoch. "Bis zu 33 Schüler in einer Klasse sind pädagogisch heute nicht mehr zu verantworten. Punkt!", sagt der VBE-Vorsitzende in aller Deutlichkeit. In der Erwachsenenbildung sind 20 Teilnehmer meist die Obergrenze für einen Kurs, und dort sind in der Regel alle freiwillig da und allein schon aus diesem Grund hochmotiviert.