Letzte Änderung: 09.02.2010 15:30
bildungsklick.de - macht Bildung zum Thema

in

Bildungsrepublik Deutschland – bisher eine politische Worthülse!

16 Länder, 16 schulische Regelungen - ausgerichtet an den knappen finanziellen Ressourcen der Länder

Hannover, 29.07.2008

Der Bund zieht sich immer mehr aus der Verantwortung zurück und die Kultusministerkonferenz kann nicht direkt eingreifen. Schulformen werden zusammengeführt, die Klassenstärke nimmt zu. Die Förderung von Schülerinnen und Schülern erfolgt aufgrund fehlender Ressourcen binnendifferenziert. Die Umstellung auf G8 soll laut Ministerien dazu beitragen, dass Lehrkräfte besser individuell fördern können. "Wir Eltern haben das Gefühl, dass man uns für dumm verkauft, denn unsere Kinder erfahren in der Schule immer weniger Unterstützung", beklagt Christine Sczygiel, Vorsitzende des BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. "Als Eltern sehen wir auch die Problematik der Lehrer, die immer mehr Anforderungen von den Kultusministerien auferlegt bekommen, ohne sie zu befähigen oder zu entlasten. Auf der Strecke bleiben dabei die Schüler", so Sczygiel.

Die Situation an Deutschlands Schulen spitzt sich immer mehr zu. Auf individuelle Lernvoraussetzungen kann in den seltensten Fällen eingegangen werden, sondern unser Schulsystem braucht "genormte" Schüler. Kinder mit einer Legasthenie passen bis heute nicht ins System. Wer keine Rechtschreibkompetenz hat, erreicht in Deutschland kaum sein Abitur. In jedem Bundesland gibt es für die betroffenen Kinder unterschiedliche Regelungen. Legastheniker mit einer 1 in Mathematik, Chemie und Physik müssen das Gymnasium verlassen, wenn sie in Englisch und Französisch auf 5 stehen, anstatt ihnen Notenschutz für die Rechtschreibleistung zu gewähren. Gut begabte legasthene Kinder landen auf Förderschulen, weil man sie für dumm und faul hält. "Das Hochtechnikland Deutschland beklagt einen Ingenieurmangel und macht sich Gedanken, wie man die Lücken über Nachwuchskräfte aus dem Ausland decken kann, anstatt die vorhandenen Schüler zu fördern und zu stützen. Es wird bewusst auf das Potential von Legasthenikern verzichtet", kritisiert Sczygiel.

In Schleswig-Holstein wurde aktuell ein neuer Erlass für legasthene Schüler verabschiedet, der bei weitem nicht ausreicht, den betroffenen Kindern eine Chancengleichheit in unserem Bildungssystem zu verschaffen. Eigenverantwortliches Arbeiten von Legasthenikern an ihren Defiziten soll zur Problemlösung führen. PCs dürfen nur bei besonders schwerer Symptomatik angewendet werden, allerdings ohne Korrekturprogramm.

In der Oberstufe laufen alle Maßnahmen aus und zur Verschärfung der Situation gibt es eine sog. Sperrklausel, die dafür sorgt, dass bei ungenügender Rechtschreibleistung in Fremdsprachen trotz sehr guter Grammatikleistungen und Inhalte eine Arbeit nicht besser als mangelhaft bewertet werden kann. "Wo bleibt hier die Logik und Gerechtigkeit? Massive Rechtschreibprobleme lassen sich nicht per Knopfdruck bei Schülern beim Übergang von der 10. in die 11. Klasse abstellen. Wenn schon Lehrer über keine ausreichenden Kenntnisse in der Förderung von Legasthenikern verfügen, wie sollen sich die betroffenen Schüler dann selber fördern? Die Bildungspolitik schließt so potentielle Leistungsträger bewusst aus und fügt der Volkswirtschaft damit einen massiven Schaden zu. Von einer Bildungsrepublik Deutschland sind wir noch sehr weit entfernt", beklagt Christine Sczygiel.

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. sieht dringenden Handlungsbedarf, den betroffenen Kindern eine Chancengleichheit in Deutschland zu verschaffen und hat seinen Bundeskongress im Oktober 2008 in Berlin unter das Motto "Chancengleichheit" gestellt.

Auf dem 16. Bundeskongress vom 2.-5.10.2008 in Berlin sowie auf der Homepage des BVL www.bvllegasthenie.de erfahren Sie mehr über die Rechte von Legasthenikern.

Ansprechpartner

MELDUNGEN AUS DEN RESSORTS
Schule

Jeder dritte Schüler ohne Frühstück

Jeder dritte Schüler ohne Frühstück 09.02.2010. (dpa) – Jeder dritte Schüler sitzt morgens mit leerem Magen im Unterricht. Das ergab eine Zusatzauswertung der aktuellen Studie zur Schülergesundheit der Deutschen Angestellten-Krankenkasse(DAK). Danach hänge das Essverhalten am Morgen stark vom Alter und vom Schultyp ab, sagte ein Sprecher am ...
Hochschule

Nächster Schritt zur optimalen Studienplatzvergabe

Bonn, 09.02.2010. Ein neues onlinebasiertes Verfahren soll mehr Transparenz in die Vergabe von Studienplätzen bringen. Mit Unterstützung des Bundes bereiten die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) die Einführung eines onlinebasierten dialogorientierten Verfahrens zur Vermittlung ...
Sonderthemen

Betreiber sozialer Netzwerke sollen Kinder besser schützen

09.02.2010. 50 Prozent der Teenager in Europa geben im Web persönliche Informationen preis, die unter Umständen für immer online bleiben und von jedem eingesehen werden können, so das Ergebnis einer EU-Studie. "Erst denken, dann posten!" heißt deswegen die Botschaft der Europäischen Kommission am ...
Kindergarten / Vorschule | Schule | Hochschule | Berufliche Bildung | Weiterbildung | Sonderthemen
Texte auf bildungsklick.de können herunter geladen und mit dem Quellenhinweis auf bildungsklick.de honorarfrei veröffentlicht werden. (Gilt nicht für mit (dpa) gekennzeichnete Meldungen.) Das Gleiche gilt für Grafiken und Bilder der Redaktion. Die auf bildungsklick.de zur Verfügung gestellten Inhalte dienen ausschließlich der redaktionellen und journalistischen Nutzung und der individuellen Information der Nutzer. bildungsklick.de haftet nicht bei Fehlern oder Störungen im Dienstbetrieb, bei Lieferschwierigkeiten, inhaltlichen oder textlichen Fehlern, außer in Fällen groben Verschuldens. Es gelten unsere AGB.