VBE: Spracharmut bei Schülern immer auffälliger
Wer als Kind schon zu viel fernsieht, redet selber weniger
Mehr zu: Baden-Württemberg, Jugendschutz, Killerspiele, Medienkompetenz, Sprachentwicklung, Sprachstand, SchuleBeklagten sich Pädagogen in früheren Jahren über die Sprachverhunzung durch Comic-Heftchen ("ächz, stöhn, keuch"), wären Lehrer heute froh, wenn Schüler wenigstens diese lesen würden, behauptet der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Schüler, die von klein auf mit exzessivem Fernsehkonsum aufwüchsen, griffen seltener zu einem Buch, um zu lesen. Spracharmut zeige sich bereits im Kindergarten und setze sich in der Grundschule fort, wenn Eltern und Lehrer nicht dagegen steuerten und die Schüler fürs Lesen begeistern können.
Kinder und Jugendliche bekommen heute über den Fernsehbildschirm die ganze Welt frei Haus geliefert, können aber immer weniger mit Worten ausdrücken, was sie gesehen haben. Sprachentwicklungsstörungen bei Vorschul- und Grundschulkindern haben deutlich zugenommen, sorgt sich der VBE. Jedes fünfte Kind - mit und ohne Migrationshintergrund - hat heute mehr oder weniger damit zu kämpfen. Kinder können keine Geschichten aufschreiben, wenn ihnen dafür die Worte fehlen. Aufsatzerziehung in der Schule funktioniert nur, wenn das nötige Vokabular vorhanden ist. Eltern könnten ihre Kinder fördern, wenn sie ihnen bereits sehr früh regelmäßig vorlesen und darüber miteinander ins Gespräch kommen würden.
Dem VBE liegt es fern, die modernen Medien zu verteufeln, denn ein gezielter, wohldosierter Einsatz von Fernsehen und Computer kann positiv für die Entwicklung der Kinder sein. Doch nicht jede Sendung, die den Stempel "Kinderfernsehen" trägt, verdient dieses Prädikat wirklich.
Der VBE appelliert an alle Erziehungsberechtigten, Kinder und Jugendliche vor dem Bildschirm nicht allein zu lassen. Medienkompetenz könne sich nur durch Nachdenken und Reden über das Gesehene herausbilden. Dafür benötigen Kinder Erwachsene als Ansprechpartner. Es ist nicht Sinn des Fernsehens, den Nachwuchs "ruhig zu stellen". Der Bildschirm ist kein Babysitter und grundsätzlich ein schlechter Elternersatz. "Wenn Kinder und Jugendliche täglich mehrere Stunden vor dem Fernsehapparat zubringen, bleibt zu wenig Zeit, die Umwelt auf eigene Faust zu erkunden", beklagt der VBE-Sprecher. Diese Erfahrungen aus erster Hand fehlten den Schülern immer mehr.
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