Neue Kontakte über soziale Netzwerke wie SchülerVZ knüpfen, selbst gedrehte Filme auf Plattformen wie YouTube hochladen: Kinder und Jugendliche fasziniert das Mitmach-Internet. Vor den Risiken warnt jetzt jugendschutz.net. Die zentrale Kontrollstelle für den Jugendschutz im Internet fordert mehr Rücksicht auf Kinder und Jugendliche im Web 2.0. Die neuen Dienste sind eine besondere Herausforderung für den Jugendschutz, weil unzählige User ihre Beiträge online stellen. "Die Betreiber müssen Mindeststandards einhalten und Minderjährige besser vor Inhalten schützen, die sie überfordern oder ängstigen können", sagte die rheinland-pfälzische Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen. Heute wurde der Jahresbericht der in Mainz ansässigen Zentralstelle jugendschutz.net veröffentlicht.
Auf Videoplattformen konnte jugendschutz.net 2007 die Löschung von 700 Exekutions- und Nazi-Filmen erreichen, in Sozialen Netzwerken waren vor allem pornografische Beiträge und sexuelle Belästigungen zu beanstanden. Insgesamt ist die Kontrollstelle gegen 2.883 neu erfasste Verstöße (plus 10 Prozent) vorgegangen. Dabei handelte es sich vor allem um pornografische Seiten (52 Prozent) und rechtsextreme Propaganda (14 Prozent). Im Ausland stieß jugendschutz.net vermehrt auf Kinderpornografie (plus 25 Prozent).
Drei von vier Verstößen wurden nach einem Hinweis von jugendschutz.net schnell beseitigt, ohne dass Aufsichtsbehörden eingreifen mussten. Dabei setzt die Stelle vor allem auf die Zusammenarbeit mit der Internetindustrie und Partnern in internationalen Netzwerken gegen Kinderpornografie (INHOPE) oder Hass im Netz (INACH). Erfolgreich sind die Aktivitäten auch bei ausländischen Angeboten, wenn Anbieter von Speicherplatz oder Betreiber von Suchdiensten, Plattformen und Communities über schwere Verstöße informiert werden.
Auf unzulässige Angebote stößt jugendschutz.net über Hinweise und gezielte eigene Recherchen. 2007 bearbeitete das Team 9.200 Beschwerden und Anfragen (plus 22 Prozent), überprüfte 7.164 Websites auf Verstöße (plus 32 Prozent), beobachtete regelmäßig die 65 wichtigsten Chats und Communities und wertete systematisch tausende Suchanfragen in Suchmaschinen und Plattformen aus.
"Es ist ein wichtiges Anliegen der Landesregierung, gemeinsam mit Partnern die Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und auch Eltern für gefährdende Inhalte und riskantes Verhalten in den neuen Medien weiter zu sensibilisieren und über geeignete Interventions- und Präventionsstrategien sowie konkrete Handlungskonzepte zu informieren. Zu diesen Partnern zählt in vorderster Front die Zentralstelle jugendschutz.net", betonte Doris Ahnen. Mit Unterstützung des Landes entwickle und erprobe jugendschutz.net auch im Rahmen des rheinland-pfälzischen 10-Punkte-Programms "Medienkompetenz macht Schule" Materialien und Modelle zur Stärkung der Medienkompetenz, die dann allen Bundesländern zur Verfügung gestellt werden. Durch junge, der Zielgruppe altersmäßig nahestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilde die Zentralstelle zudem an ausgewählten Schulen im Land sogenannte "Medienscouts" aus, die dann ihrerseits nicht nur an ihrer eigenen Schule Medienwissen an ihre Altersgruppe und an jüngere Schülerinnen und Schülern weitergeben, sondern auch als Moderatorinnen oder Moderatoren weitere "Scouts" in der Schule ausbilden könnten.
In Zeiten des Web 2.0 ist es noch wichtiger, dass jugendliche User die Risiken kennen und auf ihre Sicherheit achten. Die Experten von jugendschutz.net nutzen ihre Erfahrungen, um Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte beim kompetenten Umgang zu unterstützen. So informiert "Chatten ohne Risiko?" über die sichere Kommunikation via Chat und Messenger, die Broschüren "Ein Netz für Kinder" und "Handy ohne Risiko" klären über Gefahren auf und leisten praktische Hilfestellung. Und die "Klick-Tipps" liefern aktuelle Empfehlungen der besten Kinderseiten, die mit einer Kinderredaktion erarbeitet werden. Eltern können mithelfen, den Jugendschutz im Internet zu verbessern, indem sie problematische Angebote bei jugendschutz.net melden, auf die ihre Kinder gestoßen sind: h oder www.jugendschutz.net/hotline.
Über jugendschutz.net:
jugendschutz.net wurde 1997 von den Jugendministerien aller Bundesländer gegründet und ist an die Kommission für Jugendmedienschutz als Internetaufsicht angebunden, drängt auf die Einhaltung des Jugendschutzes im Internet und sorgt dafür, dass Anbieter problematische Inhalte rasch ändern, löschen oder für Kinder und Jugendliche sperren: www.jugendschutz.net.
Kontakt: Hanna Wittstadt, ; Tel. (06131) 32 85-317
Der komplette Bericht zum Download: www.jugendschutz.net/pdf/bericht2007.pdf