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Bildungsminister Holger Rupprecht stellt die Neuerungen zum Schuljahr 2008/2009 vor

Mehr zu: Bildungswesen, Brandenburg, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Schulstart, Schulträger, Schulweg, Vergütung, Schule
Potsdam, 27.08.2008 -

Bildungsminister Holger Rupprecht hat heute in Potsdam die Neuerungen zum anstehenden Schuljahr präsentiert. Auch im letzten Schuljahr der laufenden Legislaturperiode wird es wieder einige Änderungen und Anpassungen geben, die teilweise auf aktuelle Beschlüsse der Koalition zurückgehen.

"Mit der pünktlichen Einführung des Schulsozialfonds verbessern wir für die Kinder einkommensschwacher Eltern die Teilhabe am schulischen Leben. Auch mit der erweiterten Förderung des Schülerverkehrs, die an soziale Kriterien gekoppelt wird, leisten wir einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit insbesondere im ländlichen Raum", erklärte Bildungsminister Rupprecht zu zwei Maßnahmen, die die Koalition erst im Frühjahr dieses Jahres für das Schuljahr 2008/09 beschlossen hatte und die jetzt realisiert werden."

Zum Schuljahr 2008/2009 treten die "Richtlinien über die Gewährung von Zuwendungen aus dem Schulsozialfonds" in Kraft, wonach insbesondere ergänzende kostenpflichtige Ganztagsangebote, eintägige schulische Veranstaltungen und Lernmittel, die von der Lernmittelfreiheit ausgenommen sind, finanziert werden können. Die Unterstützung erfolgt möglichst unbürokratisch über die Schulträger an die Schulen. Für das laufende Jahr erhalten die Schulen noch 925.000 €. Ab 2009 werden jährlich 2,2 Mio. € an die Kinder einkommensschwacher Eltern ausgereicht.

Mit den "Richtlinien über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung einer sozialen Staffelung der Kostenbeteiligung an den Schülerfahrtkosten" unterstützt das Land die Kreise und kreisfreien Städte 2008 im Umfang von knapp 1,7 Mio. €. Ab 2009 erhalten sie jährlich 4 Mio. €. Der Anteil der einzelnen Kreise und kreisfreien Städte an der Gesamtsumme richtet sich nach der Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Anspruch auf Beförderung, nach der Bevölkerungsdichte sowie dem Anteil von Sozialgeldempfängern.

Die Gewichtung der zentralen Vergleichsarbeiten in Mathematik und Deutsch (ZVA6), die zur Eignungsfeststellung für eine weiterführende Schule zusammen mit dem Probeunterricht zum vergangenen Schuljahr eingeführt wurden, wird verringert. Diese Änderung ist das Ergebnis ausführlicher Diskussionen insbesondere auch mit dem Landesschulbeirat, in denen nie die Vergleichsarbeiten insgesamt in Frage gestellt wurden. "Das neue Eignungsverfahren zur Aufnahme an Gymnasien hat sich im ersten Durchlauf prinzipiell bewährt," so Minister Rupprecht. "Mit der Absenkung der Gewichtung nehmen wir die Sorgen vieler Eltern auf, die befürchten, dass die Schulkarriere ihrer Kinder zu sehr von der Tagesform beim Schreiben dieser Arbeiten abhängt". Künftig geht das Ergebnis der zentralen Vergleichsarbeit mit 20 Prozent in die Halbjahresnote ein, behält also im Verhältnis zur Gesamtheit der schriftlichen Leistungen durchaus einen hohen Stellenwert.

Im Zusammenhang mit dem Übergangsverfahren an weiterführende Schulen wird auch das Grundschulgutachten überarbeitet. Nachdem die aktuellen Rahmenlehrpläne inzwischen einen kompetenzorientierten Ansatz verfolgen, sollen auch die Grundschulgutachten in diesem Sinn angepasst werden. Ziel ist es, den Eltern die Leistungsfähigkeit ihrer Kinder klarer, transparenter und vergleichbarer darzulegen. Durch die vorgesehene teilweise Standardisierung ergeben sich gleichzeitig Arbeitserleichterungen für die Grundschullehrkräfte.

Erleichterungen können sich auch durch Änderungen bei der Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens ergeben, wenn die Schulen dies wünschen. Zukünftig soll das Arbeits- und Sozialverhalten zum Schulhalbjahr nur noch benotet werden, wenn die Schulkonferenz dies im Rahmen der schulischen Selbstständigkeit beschließt. Mit dieser Maßnahme wird auf zahlreiche Wünsche aus den Schulen reagiert. Die Benotungen zum Schuljahresende bzw. im 10. Schuljahr zum Halbjahr bleiben von der Änderung unberührt.

Für die Sekundarstufe I sind zum neuen Schuljahr für 21 Fächer neue Rahmenlehrpläne in Kraft gesetzt worden, die vom Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) erarbeitet wurden. Sie setzen den im Schuljahr 2004/2005 begonnenen Weg der Kompetenzorientierung konsequent fort. Die Pläne, die unter Berücksichtigung der Schulzeitverkürzung beim Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife entwickelt wurden sind vom Umfang her bedeutend schlanker. Sie setzen auf Ergebnisorientierung mit klaren Zielvorgaben einerseits und Stärkung der Eigenverantwortung der Einzelschule andererseits.

Vom 20. – 30. Oktober 2008 werden in Brandenburg erstmalig zwei "Lerncamps" durchgeführt. Ca. 90 Schülerinnen und Schüler der 9. Und 10. Klassen sollen im Ergebnis dieses Pilotprojektes in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und Kobra.net ihre schulischen Leistungen verbessern, indem sie sich in Lernwerkstätten für gute Schulabschlüsse fit machen. Damit kann perspektivisch die Zahl der Jugendlichen gesenkt werden, die ohne Abschluss die Schule verlassen. Der methodische Ansatz der Schülercamps in Verbindung mit einer ergänzenden Unterstützung durch Begleitungslehrkräfte wird erstmalig erprobt. Nach Auswertung dieser Pilotphase ist eine Wiederholung und Erweiterung geplant. (Details zu den "Lerncamps" werden in einer eigenen Pressekonferenz im September vorgestellt.)

Das Ganztagesprogramm wird auch im kommenden Schuljahr weiter fortgesetzt. So halten 22 zusätzliche Grundschulen und 21 weiterführende Schulen Ganztagsangebote vor. Damit unterbreiten jetzt 172 Grundschulen für ca. 26 % aller Grundschüler und 122 weiterführende Schulen für ca. 39 % aller Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I Ganztagsangebote. Von den Fördermitteln des Bundes in Höhe von über 130 Mio. € sind inzwischen ca. 120 Mio. mit Zuwendungsbescheiden gebunden. Damit konnte ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 214 Mio. € bewegt werden. Die verbleibenden 10 Mio. € sind bereits vollständig durch abgestimmte Projekte untersetzt. Auch wenn künftig keine Investitionsfördermittel mehr zur Verfügung stehen, können weitere Grund- und weiterführende Schulen zu Schulen mit Ganztagsangeboten werden und erhalten auch die zusätzliche Ausstattung mit Lehrerwochenstunden. "Unser Ganztagsprogramm ist ein Erfolg auf der ganzen Linie." stellte Minister Rupprecht zu dieser Entwicklung fest. "Schon jetzt bieten mehr Schulen Ganztagsangebote an, als wir uns zu Beginn des Programms vorgenommen hatten. Perspektivisch halte ich ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschule für sinnvoll. Dazu bedarf es aber der entsprechenden Entscheidungen einer neuen Regierung."

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