Bildungsbarometer zeigt: Mangel an diagnostischer Kompetenz verhindert gezielte Förderung
Mehr zu: Deutschland, Diagnose, Förderunterricht, Forschung, Hauptschule, Statistik, SchuleEin eklatanter Mangel an diagnostischen Kompetenzen verhindert die zielgerichtete und maßgeschneiderte schulische Förderung. Dies ist ein Hauptergebnis der aktuellen Befragung des Bildungsbarometers. 46% der befragten Lehrkräfte gaben an, wenig bis gar nicht mit diagnostischen Instrumenten vertraut zu sein.
Bei der Frage wie Lehrkräfte vorgehen, um herauszufinden, ob einer Schüler etwas besonders gut oder schlecht kann, nennen 20% der Befragten einen Vergleich mit anderen Schülern herstellen, 18% fragen den Schüler selbst und lediglich 10% beziehen Personen ein, die über eine entsprechende Kompetenz verfügen.
"Dieses Ergebnis ernüchtert, weil damit für die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen keine Möglichkeit zur Objektivierung der Beurteilung gegeben ist", so Prof. Dr. Reinhold S. Jäger vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf). Mit diesem Hintergrund – so Jäger – "muss damit gerechnet werden, dass bei einer Vielzahl von Kindern der Förderbedarf überhaupt nicht erkannt werden kann".
Die Lehrkräfte zählen aber zugleich einige Begrenzungen der Förderung auf: So verweisen 40% auf strukturelle Bedingungen, welche die Förderung erschweren, 27% nennen die fehlende Beteiligung der Akteure im Hinblick auf Motivation und Engagement und 6% verweisen auf eine Überfrachtung der Schule mit dem erzieherischen Auftrag.
Da zugleich die Zusammenarbeit mit den Eltern mit Blick auf die Förderung als eher schlecht bezeichnet wird, sind Voraussetzungen gegeben, welche insgesamt eine gezielte Förderung an Deutschlands Schulen behindern.
"Wir benötigen vornehmlich keine Veränderungen in den Strukturen des Bildungswesens, sondern den Willen, Förderung an jeder Schule als das wesentliche Ziel anzusehen. Zugleich muss jede Schule in die Lage versetzt werden, die Personalentwicklung im eigenen Kollegium so in die Hand zu nehmen, dass wenigsten ein Teil des Kollegiums diagnostische und Förderkompetenz besitzt", kommentiert Jäger das Ergebnis der aktuellen Befragung des Bildungsbarometers. "Nur dann wird es gelingen, die Anzahl von jährlich 76000 Schülerinnen und Schüler ohne einen Hauptschulabschluss bedeutsam zu senken. Die Bundesrepublik Deutschland muss alles unternehmen, um auf dem Weg über eine gezielte Förderung Chancengerechtigkeit zu verwirklichen".
Bei der Online-Befragung haben 1510 Personen den Fragebogen vollständig bearbeitet, davon waren 510 Personen Eltern und 545 Lehrkräfte.
Das Bildungsbarometer wird in Kooperation zwischen dem Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) und der Schülerhilfe (Gelsenkirchen) realisiert.
Der Newsletter 2-2008 des Bildungsbarometers steht als Download unter der folgenden Adresse zur Verfügung: www.vep-landau.de/Bildungsbarometer/Newsletter_2-2008_F%F6rderung-end.pdf
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