Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
GEW: "Miserables Zeugnis für die Bildungsrepublik Deutschland"
Bildungsgewerkschaft: Bildungsarmut, Pädagogenmangel, Unterfinanzierung - Bildungsbericht zeigt zentrale Defizite Deutschlands / Bildungsgipfel muss belastbare Vereinbarungen treffen
Mehr zu: Auslese, Ausstattung, Bildungsausgaben, Bildungsbericht, Bildungschancen, Bildungsgipfel, Bildungswesen, Deutschland, Statistik, Unterrichtsversorgung, Zeugnis, Sonderthemen"Der Nationale Bildungsbericht 2008 stellt der 'Bildungsrepublik Deutschland' ein miserables Zeugnis aus: Die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss ist erschreckend hoch. Hauptschüler haben nach wie vor kaum Chancen, einen Platz in Ausbildung und Beruf zu ergattern. Unser gegliedertes Schulsystem erweist sich als Rutschbahn, auf der soziale Auslese 'nach unten' bestens funktioniert. Wir müssen endlich die zentralen Probleme unseres Bildungswesen - Bildungsarmut, Pädagogenmangel und die chronische Unterfinanzierung - angehen", erklärte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, mit Blick auf die heutige Sitzung des Bundeskabinetts. "Wenn Kanzlerin Angela Merkels (CDU) Initiative mehr sein soll, als eine PR-trächtige Sommerwanderung mit anschließendem Fototermin auf dem Bildungsgipfel, muss sie in all diesen Bereichen belastbare und verbindliche Vereinbarungen mit den Ländern treffen", erklärte Thöne.
Er schlägt entschiedene Maßnahmen im Kampf gegen Bildungsarmut vor: "Wir können und wollen uns keine 'verlorene Generation' leisten. Wir müssen endlich ein verbrieftes Recht auf Bildung für alle Menschen in unserer Gesellschaft verankern. Der Mittlere Schulabschluss nach Klasse zehn in der 'Einen Schule für alle Kinder' muss künftig Standard- und Qualitätsziel für alle Schülerinnen und Schüler werden", sagte Thöne. Das A und O bleibe, dass junge Menschen nach dem Schulabschluss den Sprung in Ausbildung und Beruf schaffen. Dafür müsse das duale System reformiert werden. "Wir brauchen eine Ergänzung des dualen Systems: Ausbildungsverbünde, außerbetriebliche Ausbildungsstätten bei Trägern und berufsbildende Schulen müssen gemeinsam ein ausreichendes Angebot an Lehrstellen sichern. Die jungen Menschen wie in der Vergangenheit in Warteschleifen abzuschieben, bedeutet Frustration und ihnen Berufs- und Lebenschancen zu verweigern", betonte der GEW-Vorsitzende.
"Die Neuausrichtung des deutschen Bildungssystems - weg von der Selektion, hin zu Integration und Unterstützung - ist nicht zum Nulltarif zu haben. Statt jedoch mehr Geld in Bildung zu investieren, wie es etwa die bei PISA erfolgreichen Länder getan haben, ist der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt gesunken", sagte Thöne. In den vergangenen Jahren seien die Bildungsausgaben, auch in absoluten Zahlen gerechnet, zurückgefahren worden. "Wir verlieren international den Anschluss und katapultieren uns ins triste Mittelalter zurück, wenn in der Bundesrepublik künftig nicht mindestens sieben Prozent des BIP aus öffentlichen Mitteln in den Bildungsbereich fließen."
Der GEW-Vorsitzende machte noch einmal deutlich, dass Deutschland auf einen Pädagogenmangel zusteuere. "Die Länder müssen jetzt investieren und deutlich mehr Lehrkräfte und Erzieherinnen ausbilden, sonst werden uns in kurzer Zeit zehntausende Fachkräfte fehlen. Und die können dann nicht von heute auf morgen ausgebildet werden", mahnte er. Wer motivierte junge Menschen für den schönen Pädagogenberuf gewinnen wolle, müsse für gute Arbeitsbedingungen sorgen. Die Länder hätten sich in den vergangenen Jahren jedoch für einen anderen Weg entschieden: Absenkung der (Einstiegs)Gehälter, Fristverträge und Teilzeitarbeitsplätze. "So schreckt man junge Menschen ab", sagte Thöne.
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