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Letzte Änderung: 09.02.2012, 11:42
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"Der Philologenverband sieht den guten Willen der Landesregierung, erwartet aber deutlich mehr Anstrengungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte und der Unterrichtsversorgung an den Gymnasien!"

Zumeldung des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW) zur Landespressekonferenz mit Kultusminister Helmut Rau / Schuljahrausblick

Mehr zu: Baden-Württemberg, G8, Ganztagsschule, Hauptschule, Heterogenität, Lehrermangel, Schulinspektion, Unterrichtsversorgung, Vergütung, Schule
Stuttgart, 03.09.2008 -

"Wir nehmen erfreut zur Kenntnis, dass die ´Qualitätsoffensive Bildung´ ein Schritt in die richtige Richtung ist, der aber erst in den nächsten Jahren auf eine nachhaltige Wirkung hoffen lässt. Denn: Von deutlichen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Lehrkäfte an den Gymnasien ist im neuen Schuljahr noch nichts zu spüren", so der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW), Bernd Saur, mit dem Hinweis, dass die Übergangsquoten aufs Gymnasium unvermindert hoch sind und die Absenkung des Klassenteilers sowie die Entlastung der Schulleitungen für das kommende Schuljahr noch nicht vorgesehen sind.

Nach Auffassung des Philologenverbands wird der Trend an die Gymnasien durch das Schlechtreden der Hauptschule weiter zunehmen, die Qualität sich aber durch die vielerorts räumlich beengten Verhältnisse, durch immer heterogenere Klassen und die mancherorts angespannte Personallage kaum verbessern lassen. Saur: "Auch die Lehrerzimmer und die Ausstattung der Lehrerarbeitsplätze sind in die Schulentwicklungsprozesse einzubeziehen."

"Uns liegen derzeit noch keine Rückmeldungen der Schulen vor, aber wir bezweifeln, dass der Pflichtunterricht in allen Fächern an allen Gymnasien abgedeckt sein wird", so Saur zur diesbezüglich positiven Feststellung des Kultusministers.

Die Möglichkeit der schulbezogenen Stellenausschreibung begrüßt der Philologenverband, sieht aber weitere Verbesserungsmöglichkeiten durch Angebote der Kommunen. Auch gebe es Grenzbereiche, die aufgrund ihrer Lehrerversorgungssituation mit der angespannten Situation im ländlichen Bereich vergleichbar seien, aber nicht den Vorteil erhielten, in der ersten Phase des Verfahrens ihre zu besetzenden Stellen auszuschreiben. Im Übrigen dürfe man auch Leute, die Angebote im ländlichen Bereich nicht wahrnehmen wollen, nicht abwandern lassen, meint Saur. "Wenn wir beispielsweise dringend benötigte Naturwissenschaftler im Schuldienst des Landes Baden-Württemberg behalten wollen, dann müssen wir ihnen attraktive Angebote machen!"

Begrüßt wird vom Verband, dass mehr Mittel für Unterrichtsvertretungen zur Verfügung stehen. Wichtig sei aber, dass es dafür auch ausreichend Lehrkräfte gibt. Geeignete und qualifizierte Personen für Vertretungen im Angestelltenverhältnis zu finden, darf man nicht allein den Schulen überlassen. Hier sind auch bessere Besoldungsangebote zu machen. Eine Lehrerreserve von 1250 Lehrern für alle Schulen und Schularten ist nach Auffassung des Verbandes zu wenig.

Bezweifelt wird vom Philologenverband, dass durch die angeblich stark sinkende Zahl der Schülerinnen und Schüler in den nächsten Jahren in "erheblichem Umfang" Lehrerstellen frei werden. "Wieder steigende Geburtenzahlen, die jüngsten Einschulungszahlen des Landesamts für Statistik an den Grundschulen und die jetzt wieder vollen Fünferklassen sprechen bezüglich der Gymnasien für eine andere Einschätzung", sagt Saur.

In der beginnenden verpflichtenden Fremdevaluation an den Schulen sieht PhV-Chef Saur die Chance, dass endlich die von den Lehrerinnen und Lehrern an den Gymnasien des Landes geleistete gute Arbeit gewürdigt wird. "Im Übrigen hoffen wir, dass aus den Ergebnissen, selbst wenn sie kostenträchtig sind, Konsequenzen gezogen werden. "Wir begrüßen, dass die Evaluation dem Datenschutz einen großen Stellenwert einräumt und die schulischen Gremien beteiligt werden; Lehrer dürfen nicht öffentlich an den Pranger gestellt werden!"

Der Philologenverband begrüßt die Anrechnungspflicht aller von den Oberstufenschülern belegten Kurse, bemängelt aber, dass die Ausweitung der Belegungspflicht nicht zu einer Erhöhung der Lehrerzuweisung geführt hat. Überwiegend positiv beurteilt der Verband auch die volle Anrechnungspflicht für alle acht Kurse in den zwei zu belegenden Naturwissenschaften sowie die Vergabe von Einzelnoten für die Fächer Geschichte, Gemeinschaftskunde und Geographie.

Im Blick auf die Möglichkeit, Ganztagsschulen einzurichten, weist Saur darauf hin, dass eine Genehmigung nur dann erteilt werden dürfe, wenn wirklich ein Qualitätsansprüchen genügendes pädagogisches Konzept vorliege. Saur abschließend: Das Gymnasium ist kein Betreuungsinstitut, sondern eine Schule mit hohem Anspruch und einem Abschluss, der zum Hochschulstudium berechtigen soll."

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