Die deutsche Bildung ist international hoch angesehen. Nur in den USA und in Großbritannien studieren mehr ausländische Jugendliche. Das belegt die jüngste OECD-Studie "Bildung auf einen Blick".
Die deutsche Bildung kommt voran, auch international. Im Vergleich zu den Vorjahren stieg die Zahl der jungen Menschen, die ein Hochschulstudium begannen und abschlossen.
Nach wie vor führend ist Deutschland im Bereich der Abschlüsse der Sekundarstufe II. Dieser Abschluss ist die Grundlage einer erfolgreichen Berufsbiografie und innerhalb der OECD "zur Norm" geworden. Das betonte Barbara Ischinger, Direktorin für Bildung bei der OECD.
Die Studie bestätige, "dass wir mit den Bildungsreformen in Deutschland auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel sind". Dies erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.
Michael Thielen, Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, betonte die Qualität der beruflichen Ausbildung in Deutschland. Der Kenntnisstand der Absolventen sei "auf einem Niveau, das in anderen Ländern eher im Tertiären Sektor zu finden ist."
Die in Berlin vorgestellte, internationale Vergleichsstudie bietet eine wichtige Orientierung und basiert überwiegend auf Daten der Jahre 2005 und 2006.
Im internationalen Wettbewerb um die besten Studierenden und den besten wissenschaftlichen Nachwuchs befindet sich Deutschland in einer sehr guten Position: Nur in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien sind mehr ausländische Studierende eingeschrieben als an deutschen Hochschulen.
Auch bei der Bereitschaft der Studierenden, im Ausland Erfahrungen zu sammeln, ist Deutschland vorne. Die Bundesregierung fördert die Internationalisierung der Hochschulen, um die besten Köpfe für Deutschland zu gewinnen.
Internationalisierung der Hochschulen
Der Anteil der Studierenden ist in Deutschland und international stark gestiegen. 1995 hatten erst 14 Prozent eines Altersjahrgangs ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen. Im Jahr 2000 waren es bereits 18 Prozent und 21 Prozent im Jahr 2006. Allerdings liegt Deutschland damit, auch bedingt durch die starke Rolle der dualen Berufsausbildung, deutlich unter dem OECD-Mittel von 37 Prozent.
Auch bei den Studienanfängerinnen und Studienanfängern liegt Deutschland deutlich unter dem internationalen Durchschnitt von 56 Prozent im Jahr 2006. Nach einer Phase der Stagnation zeichnet sich aber ab dem Wintersemester 2007/2008 wieder ein positiver Trend ab.
Deutschland nimmt traditionell eine Spitzenstellung beim Anteil der Bevölkerung mit mindestens einem Abschluss der Sekundarstufe II ein. Dieser lag für die Bevölkerungsgruppe der 25- bis 64-jährigen in Deutschland im Jahr 2006 mit 83 Prozent deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 68 Prozent. Dies ist unter anderem ein Erfolg des dualen Systems der beruflichen Ausbildung.
Maschinenbau gehört mit den Wirtschaftswissenschaften und den Lehramtsstudiengängen hierzulande zu den am häufigsten gewählten Studienfächern. Stark ist Deutschland in den so genannten MINT-Fächern: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Von allen Hochschulabsolventen haben 22 Prozent einen ingenieurwissenschaftlichen Abschluss. Der OECD-Durchschnitt liegt lediglich bei 15 Prozent. Aufgrund der insgesamt niedrigen Absolventenzahlen zeichnet sich jedoch trotzdem in diesem Bereich ein Mangel an Qualifizierten ab.
Frauen mit naturwissenschaftlich und technisch ausgerichteten Abschlüssen sind in Deutschland weniger stark vertreten. Pro 100.000 Beschäftigte in diesem Bereich haben in Deutschland 850 Frauen einen naturwissenschaftlichen oder technischen Abschluss, OECD-weit sind es fast 1.000.
Im Rahmen der Qualifizierungsinitiative "Aufstieg durch Bildung" hat die Bundesregierung ein breites Bündnis für Frauen in MINT-Berufen geschlossen. Gemeinsam mit mehr als 40 Partnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sollen mehr Frauen für diese Berufe gewonnen werden.
Der Anteil der öffentlichen Ausgaben, die in die Bildung fließen, lag 2006 in Deutschland bei unter 10 Prozent. Das müsse sich ändern, forderte Ischinger. Sie warnte, der Bedarf an Hochqualifizierten sei in Deutschland kaum zu decken. Auch deswegen forderte sie mehr private Investitionen in die Bildung. Ein Engagement der Wirtschaft etwa in Form von Stipendienprogrammen sei "das Gebot der Stunde". Mehr als 80 Prozent der Bildungsausgaben stammten 2005 aus der öffentlichen Hand.
Kramp-Karrenbauer betonte, es seien mit der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung und den Förderprogrammen des Bundesinstituts für Berufsbildung viele Vorhaben auf dem Weg. Die Studie zeige noch einmal genau die Handlungsfelder auf, die gerade in Angriff genommen seien: etwa was zusätzliche Brücken von der Berufsausbildung ins Hochschulstudium angeht.
Bund und Länder bereiten derzeit den nationalen Bildungsgipfel am 22. Oktober vor. Darüber hinaus sucht die Bundeskanzlerin auf ihrer Bildungsreise den direkten Kontakt zu den Akteuren. Die verschiedenen Stationen decken Bereiche von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung von Erwachsenen ab.
Von frühkindlicher Bildung bis zum Studium
Kontext:
Bildung auf einen Blick 2008
BMBF: Dynamik bei Bildung muss weiter wachsen
Qualifizierungsinitiative: "Aufstieg durch Bildung"