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Letzte Änderung: 09.02.2012, 18:25
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Zöllner schlägt Weiterentwicklung der Schulstruktur vor:

- Erster Schritt: Schaffung Integrierter Haupt- und Realschulen ab 2010/2011 - Neue pädagogische Elemente stärken individuelle Förderung und Durchlässigkeit - Einführung des Dualen Lernens in den Klassen 9 und 10 - Flächendeckender Ausbau von Ganztagsangeboten in Oberschulen

Mehr zu: Berlin, Elternwille, Gymnasium, Hauptschule, Individuelle Förderung, KITA, Oberschule, Realschule, Schulstruktur, Schule
Berlin, 10.09.2008 -

Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner hat heute Eckpunkte für die Erarbeitung eines Vorschlags zur Weiterentwicklung der Schulstruktur vorgelegt. Diese Eckpunkte sehen ab dem Schuljahr 2010/2011 unter anderem vor, die Haupt-, Real-, sowie verbundenen Haupt- und Realschulen zu Integrierten Haupt- und Realschulen (IHR) zusammen zu führen. Der Strukturvorschlag wird ergänzt durch neue pädagogische Elemente, die für mehr individuelle Förderung, innere Differenzierung und Durchlässigkeit sorgen und damit die Qualität des Bildungssystems verbessern sollen.

Mit den Stimmen der Koalition und Bündnis 90/Die Grünen hat der Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses am 22. Mai 2008 den Bildungssenator u. a. beauftragt, bis zum 31. Dezember 2008 einen Vorschlag zur qualitativen Weiterentwicklung der Schulstruktur vorzulegen.

Entlang dieser Eckpunkte wird eine Arbeitsgruppe in der Senatsverwaltung bis zum Ende des Jahres einen konkreten Vorschlag erarbeiten. Darin soll auch die Diskussion der Eckpunkte in der Politik, den Schulen und der breiten Öffentlichkeit berücksichtigt werden.

In der derzeitigen vielgliedrigen Schulstruktur ist die optimale Förderung aller Schülerinnen und Schüler kaum möglich. Darüber sind sich große Teile der Politik und Öffentlichkeit zunehmend einig. Trotz vielfältiger Maßnahmen, die auf die Stärkung der Hauptschule zielten, haben sich Eltern sowie Schülerinnen und Schüler mehr und mehr von dieser Schulart abgewendet.

Im Schuljahr 2007/2008 wurden nur noch weniger als acht Prozent des letzten Jahrgangs der Grundschule in die Jahrgangsstufe 7 der Hauptschulen angemeldet. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass an einzelnen Schulen verstärkt Lern- und Entwicklungsmilieus entstanden sind, die zu einer Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen führen. Aber auch bei den leistungsstärkeren Schülerinnen und Schülern hat das sechsgliedrige Berliner Schulsystem nicht zu optimalen Lernergebnissen geführt. Dazu ist auch die Quantität und Qualität der Zusammenarbeit der Schulen - von Grundschule zur Sekundarstufe I und dann zur Sekundarstufe II, aber auch zwischen den Schularten der Sekundarstufe I - noch nicht befriedigend. Zudem hat Berlin bislang noch keine ausreichende Antwort auf die Ansprüche durch die Verkürzung der Zeit bis zum Abitur auf 12 Jahre gefunden. Auch die Gemeinschaftsschulen brauchen über die Pilotphase hinaus eine verlässliche Perspektive.

Senator Zöllner: "Entscheidend ist, dass wir in den Schulen mehr noch als in der Vergangenheit jedes einzelne Kind in seiner individuellen Entwicklung stützen. Chancengleichheit und Gerechtigkeit gilt es zu erhöhen, indem wir die Abhängigkeit des Bildungserfolges vom sozialen Hintergrund verringern und die Stärken aller Kinder und Jugendlichen bestmöglich fördern."

Kerngedanken der Eckpunkte sind, dass

  • Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen,
  • die Durchlässigkeit des Bildungssystems größer wird,
  • es besondere pädagogische Angebote für eher praxisorientierte Schülerinnen und Schüler gibt,
  • auch in den Oberschulen Ganztagsangebote flächendeckend ausgebaut werden.

Die Eckpunkte sehen für diese Legislaturperiode u. a. vor:

  1. Haupt-, Real-, sowie verbundene Haupt- und Realschulen zu Integrierten Haupt- und Realschulen (IHR) zusammen zu führen, an denen die Schülerinnen und Schüler alle Abschlüsse und (über Kooperationen mit Oberstufen) die Übergangsberechtigung in die gymnasiale Oberstufe erreichen können sollen. Die Schule soll selbst über Beginn und Form der Differenzierung entscheiden. Das Sitzenbleiben soll abgeschafft werden. Statt dessen sollen die Schulen eher praxisorientierte Schülerinnen und Schüler mit besonderer Förderung stützen. Mit einem praxisbezogenen, dualen Lernen spätestens in den Klassen 9 und 10 sollen die Schülerinnen und Schüler in "Praxisklassen" stärker motiviert und besser auf Ausbildung und Beruf vorbereitet werden, in der eine enge Kooperation mit den Trägern der Jugendhilfe realisiert wird. In den IHR sollen schrittweise die gebundenen Ganztagsangebote ausgebaut werden.

  2. Das Gymnasium soll als eigenständige Schulart bestehen bleiben. Auch die Gymnasien sollen ihre Lernformen zu einer stärkeren individuellen Förderung weiterentwickeln.

  3. Die Gesamtschule sollen alle Elemente der IHR übernehmen können und als Regelform Schülerinnen und Schüler in 12 bzw. 13 Jahren zum Abitur führen.

  4. Alle Oberschulen sollen verbindliche Kooperationen mit Grundschulen eingehen, die u. a. gemeinsame Fachlehrer in den Grundschulklassen 5 und 6 vorsehen.

  5. Die Grundschulen und Kitas sollen noch enger verzahnt werden.

Senator Zöllner: "Das spektakuläre an diesem Vorschlag ist, dass er nicht spektakulär ist. Das muss er auch nicht sein. Eine Schulstrukturänderung wird nur dann erfolgreich sein können, wenn sie auf einem breitem gesellschaftlichen Konsens beruht, der Elternwille weitestgehend berücksichtigt wird und ihre Umsetzung in Schritten erfolgt, die der weiterlaufende Schulbetrieb bewältigen kann.

Aus den Erfahrungen des ersten Schritts sowie der Gemeinschaftsschule heraus muss in der nächsten Legislaturperiode über die endgültige Struktur entschieden werden.

Ich stelle mir eine Struktur vor in der neben dem Gymnasium eine weitere integrierte Schulart alle Schulabschlüsse vergeben und - in 12 bzw. 13 Jahren - bis zum Abitur führen."

Ab dem Schuljahr 2014/2015 sollte dazu - in der Regel beginnend ab Klasse 7 - neben dem Gymnasium eine attraktive Regionalschule stehen, die alle bewährten Elemente aus Gesamtschule, Gemeinschaftsschule und Integrierter Haupt- und Realschule in sich vereinigt. Diese Regionalschule böte Leistungsdifferenzierung auf mindestens zwei Anforderungsniveaus (nach Entscheidungen in den einzelnen Schulen auf dem Wege von Fachleistungskursen oder von binnendifferenzierenden Maßnahmen). Sie würde praxisorientierte Bildung (duales Lernen) mit fundierter Allgemeinbildung für alle beruflichen Perspektiven verknüpfen.

Das Gymnasium bliebe als eigenständige Schulart bestehen, würde aber veränderte Lernformen und Möglichkeiten zur stärkeren individuellen Förderung ohne "Abschulung" entwickeln.

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