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Pressemeldung von: Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

VBE widerspricht Finanzminister: Lehrer arbeiten eher mehr als zu wenig - Arbeit ist anders geworden

Stuttgart, 13.09.2008

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht anders als der Finanzminister keine Spielräume bei der Arbeitszeit der Lehrer zu Gunsten des Landes. Die Tätigkeit der Lehrer hat sich in den letzten Jahren verändert. Standen früher hauptsächlich Unterricht und Korrekturen von Klassenarbeiten im Vordergrund, bekommen heute Bera­tungsgespräche, Team-Konferenzen und Schulentwicklung immer mehr Gewicht, die nicht über das Deputat abgedeckt sind.

Lehrersein bedeutet eben nicht, vormittags einen bequemen Halbtagsjob und nachmittags frei zu haben, wettert VBE-Chef Rudolf Karg in Richtung Finanz­ministerium.

Neue Bildungspläne mit Schulcurricula und Leitbild, Kriseninterventionspläne, Schulportfolios und Qualitätssicherung durch Evaluation beanspruchen mittler­weile einen nicht unerheblichen Teil der Arbeitszeit der Lehrkräfte.

Sprach der Lehrer früher über die Probleme eines Schülers ausschließlich mit dessen Vater oder Mutter, so nimmt der Pädagoge heute - in der Regel auf Drän­gen der Erziehungsberechtigten - Kontakt mit dem Hausarzt auf, mit der Famili­enhelferin des Jugendamtes, dem Nachhilfelehrer, dem Schulsozialarbeiter, dem Psychologen sowie gegebenenfalls mit dem Neurologen und einem oder meh­reren Therapeuten des Schülers. Bei bis zu 33 Schulkindern pro Klasse wenden Lehrer sehr viel Zeit für diese Gespräche auf. Im Prinzip solle man Schule stän­dig von innen nach außen krempeln und täglich neu erfinden. Nach diversen Reformen und Reförmchen wünschten sich immer mehr Lehrkräfte wieder eine Phase ruhigeren Arbeitens. Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz und dem eigenen Tun könnten in nicht unerheblichen Ausmaß ebenso zur Qualitätssteigerung an Schulen beitragen.

Wenn der Minister glaubt, durch Jahreszeitkonten Lehrerstunden einsparen zu können, wird er bald merken, dass Lehrer eher entlastet als noch mehr belastet gehören.


Zur Veröffentlichung freigegeben - Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg / bildungsklick.de


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