Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht mit Sorge, dass Lehrer einerseits schulisch immer mehr belastet werden, auf der anderen Seite diese enorme Mehrbelastung von der Öffentlichkeit häufig gar nicht wahrgenommen wird, wie es die jüngste Äußerung des Finanzministers in Richtung Überprüfung der Lehrerarbeitszeit erahnen lässt.
Der VBE fordert daher alle Lehrkräfte auf, ihre durch eine spürbare Mehrbelastung verursachten schulischen Sorgen und Nöte - wie häufige Klassenzusammenlegungen oder permanent angeordnete Überstunden - nicht nur den zuständigen Personalräten mitzuteilen, sondern besonders krasse Fälle zur Dokumentation und Aufarbeitung der VBE-Landesgeschäftsstelle zur Kenntnis zu bringen (Fon: 0711/2293146 - Fax: 0711/22931479 - E-Mail: ). Der VBE hält es für falsch, wenn eine Lehrerorganisation öffentlich zum Sammeln von Daten über Unterrichtsausfälle an Schulen aufruft, da diese vom Ansatz her gut gemeinte Idee rasch ins Gegenteil umschlagen kann. Wenn Schulleiter nämlich vor der Öffentlichkeit "gut dastehen wollen" und dann bei Ausfall von Lehrkräften für die anderen Pädagogen Vertretungsstunden anordnen respektive Klassen zusammenlegen, werden durch diese Maßnahmen die nicht erkrankten Lehrer über Gebühr belastet.
Sinnvoller sei es, so Verbandschef Rudolf Karg, die "VBE-Mehrarbeits-Hotline" in Anspruch zu nehmen, um öffentlich zu machen, dass bei einer angespannten schulischen Versorgungssituation immer Lehrer die Leidtragenden sind, wenn es vor Ort darum geht, Elternproteste möglichst klein zu halten und Unterrichtsausfälle weitgehend zu vermeiden. "Nicht die Dokumentation des Mangels sollte nach Meinung des VBE im Vordergrund stehen, sondern die unzumutbare Mehrbelastung der Kollegien etwa durch die viel zu geringe Zahl von Krankheitsstellvertretern", wirbt Karg für die VBE-Aktion.
Wenn längerfristige krankheitsbedingte Ausfälle von Lehrern durch zusätzliche finanzielle Mittel aufgefangen werden können - falls sich entsprechendes Personal auch wirklich dienstbereit erklärt -, sei das für die Schulen zwar hilfreich, bei Krankheitsfällen von bis zu vier Wochen müssten sich die Schulen jedoch in der Regel selber behelfen, und das bereitet dann Probleme.