Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband hält die Regelung, künftig statt 6 nunmehr 3 Kopfnoten zu vergeben, für eine halbherzige Entscheidung. Wesentlich ist doch nicht eine quantitative Reduzierung sondern eine qualitativ nachvollziehbare Regelung.
So wie beim "Sozialverhalten" jetzt drei Einzelnoten zu einer Note zusammengezogen werden, hätte man auch beim "Arbeitsverhalten" mit nur einer Note für mehr Klarheit und Praktikabilität sorgen können. Jetzt gibt es wieder die Auseinandersetzung darüber, wieweit "Leistungsbereitschaft" und "Zuverlässigkeit/Sorgfalt" voneinander zu trennen sind.
"Eine halbe Lösung ist nur eine Scheinlösung. Zwar sind 3 Kopfnoten weniger als 6, doch halbieren sich nicht gleichzeitig die Fragen. Solange die Kopfnoten nicht pädagogisch überzeugend begründet werden können, bleibt der Ärger bei Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften", so Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes. Ein wenig sarkastisch kommentiert er: "Der Kopf ist auch deshalb rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann!"
So positiv es ist, dass an Berufsschulen auf Kopfnoten verzichtet wird, so unverständlich bleibt die Vorgabe, weiterhin Kopfnoten beispielsweise auch auf Abiturzeugnissen zu vergeben.
Der Philologen-Verband hat kein Verständnis dafür, dass die Entscheidung über die Zahl von Kopfnoten wie auf einem orientalischen Basar verhandelt worden ist. Welchen Stellenwert hat überhaupt die angekündigte Evaluation der schulpraktischen Erfahrungen? Mit der Neuregelung jedenfalls erfährt die Kopfnotenpraxis keinen Glaubwürdigkeitsschub.