"Dass bei der Bildungsoffensive der Landesregierung auch die Anrechnungszeit für Rektoren um wenigstens eine Stunde angehoben werden soll, ist ein Schritt in die richtige Richtung und entspricht der Forderung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Schulleitern mehr Zeit zu geben, damit sie ihre Schule besser leiten können, sagt VBE-Landeschef, Rudolf Karg.
"Rektor" sei kein Ausbildungsberuf, bedauert der VBE. Ein Lehrer, der guten Unterricht hält, muss nicht zwangsläufig ein guter Schulleiter sein. Um angehende Führungskräfte für deren verantwortungsvolle Aufgabe vorzubereiten, ist eine solide Ausbildung und keine schnelle Fortbildung nötig. Es genügt nicht, lediglich auf die Einsatzfreude der neuen Rektoren und deren Bereitschaft zur autodidaktischen Einarbeitung in das neue Amt zu setzen, bemängelt der gewerkschaftliche Berufsverband.
Der VBE beklagt, dass die Rektoren neben ihrer Unterrichtstätigkeit mit Aufgaben wie Evaluation, Personalmanagement, Budgetierung, Schulentwicklung und Bildungsplanarbeit überhäuft und dadurch "als Mädchen für alles" immer stärker in Zeitnot gebracht werden. Darunter leidet die Qualität der Arbeit an der Schule. Es sei immer schwieriger, neue Schulleiter für frei gewordene Stellen zu gewinnen, bemängelt der VBE-Chef. Die Zahl der Bewerbungen sei in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen. In sehr vielen Besetzungsverfahren könne nicht einmal mehr unter zwei Bewerbern ausgewählt werden. Nicht unerheblich sei, dass für neu zu besetzende Schulleitungsstellen eine persönliche Wartezeit und eine Beförderungssperre gelten. Die bestellten Rektoren müssten im Schnitt ein Jahr lang die höher bewertete Arbeit verrichten, ohne die dafür angemessene Besoldung zu bekommen. Obwohl entsprechende Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichtes für ein anderes Bundesland (NRW) vorliegen, hat Baden-Württemberg bisher keine Konsequenz daraus gezogen und die Beförderungssperre abgeschafft. Auch der relativ geringe Unterschied zur Besoldung eines Lehrers trägt nach Auffassung des VBE mit dazu bei, dass sich nur wenige die Mehrarbeit als Rektor und die deutlich höhere Verantwortung aufladen wollen.