Anlässlich des Förderstarts des neuen LOEWE-Zentrums "Biodiversity and Climate" hat Staatsministerin Silke Lautenschläger den Wettbewerbserfolg der beteiligten Zentrumspartner gewürdigt. Im Rahmen einer Feierstunde im Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt überreichte die Staatsministerin Urkunden an Prof. Volker Mosbrugger, Direktor des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg und wissenschaftlicher Koordinator des neuen LOEWE-Zentrums, sowie an Vertreter der beteiligten Projektpartner, der Johann Wolfgang Goethe-Universität, des Instituts für sozial-ökologische Forschung, des Deutschen Wetterdienstes Offenbach und des Darmstädter Unternehmens EUMETSAT.
Das Projekt hatte sich in der ersten Auswahlrunde der wettbewerblich organisierten hessischen Forschungsinitiative "LOEWE - Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz" Ende Juni 2008 erfolgreich durchgesetzt und wird seit 1. Juli 2008 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst für die Dauer von drei Jahren finanziell gefördert. Das im Aufbau befindliche Zentrum beschäftigt sich mit der Erforschung der Wechselwirkungen von Klima und Biosphäre. Dafür wird es in den kommenden drei Jahren Projektmittel in Höhe von rund 22 Millionen Euro erhalten. Hinzu kommen sollen Baumittel in Höhe von 21,7 Millionen Euro, um die geplanten 110 Wissenschaftler und Mitarbeiter in einem gemeinsamen Gebäude mit modernster wissenschaftlicher Ausstattung unterzubringen.
Im Rahmen der ersten LOEWE-Förderrunde unterstützt die Landesregierung fünf LOEWE-Zentren und fünf LOEWE-Schwerpunkte bis 2010 mit insgesamt 115 Millionen Euro. Rund 32 Millionen Euro sollen auf der Grundlage eines beschlossenen Landeshaushalts 2009 zusätzlich für das Jahr 2011 bewilligt werden. Staatsministerin Lautenschläger wies darauf hin, dass diese Fördersumme die höchste sei, die eine hessische Landesregierung jemals zur Forschungsförderung aufgewendet habe: "Die Landesregierung will mit Hilfe von LOEWE gezielte wissenschaftspolitische Impulse geben, um die hessische Wissenschaftslandschaft nachhaltig zu verändern und die Differenzierung und Profilbildung der Wissenschaftseinrichtungen voranbringen." Es gehe zugleich darum, die Forschungsinstitutionen im Wettbewerb zu stärken und ihre Innovationskraft für die Entwicklung der Wirtschaft in Hessen zu nutzen.
Die Themen Klimawandel und Biodiversität seien, so die Staatsministerin, in den vergangenen Jahren immer stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt und daher auch von der Politik als wichtige Handlungsfelder identifiziert worden: "Mit der Förderung des LOEWE-Zentrums "Biodiversity and Climate" dokumentiert das Land Hessen, dass es die Herausforderungen, die in diesen Themen liegen, entschlossen und offensiv anpackt", sagte Lautenschläger. Sie wies zugleich auf die Nachhaltigkeitsstrategie Hessen hin, in die das LOEWE-Zentrum aktiv eingebunden werden solle. "Hierbei misst die Landesregierung dem Themenbereich ´Biodiversität´ einen besonderen Stellenwert bei: Mit der grundsätzlichen Fragestellung ´Wie kann das wirtschaftliche, ökologisch und sozial wichtige Potenzial an Biodiversität im Land erhalten und weiterentwickelt werden?´ findet eine herausfordernde wissenschaftliche Thematik in der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen Berücksichtigung", so Lautenschläger.
Der wissenschaftliche Koordinator des neuen Forschungszentrums und Direktor des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg, Prof. Volker Mosbrugger sagte, der Standort Frankfurt habe sich für das LOEWE-Zentrum "Biodiversity and Climate" in idealer Weise angeboten, weil die Rhein-Main-Metropole mit dem Forschungsinstitut und Naturkundemuseum Senckenberg und der Johann Wolfgang Goethe-Universität mit ihren Bio- und Geowissenschaften eine in Deutschland und sogar weltweit einmalige Verbindung von wissenschaftlichen Fachdisziplinen auf dem Gebiet der organismisch geprägten Biodiversitäts- und Klimaforschung aufweisen könne.
Im Rahmen des neuen Forschungszentrums sollen mit innovativen Forschungsansätzen und -methoden die Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und Biodiversität auf der Organismus-Ebene untersucht werden. Das Methodenspektrum reicht von der Molekulargenetik bis zur satellitengestützten Fernerkundung von Klima-, Areal- und Ökosystemreaktionen. Dabei werden langskalige (Evolution und Klima), mittelskalige (Biodiversitätsdynamik und Klima) und kurzskalige Prozesse (Anpassung und Klima) betrachtet. Das Forschungszentrum soll dabei wissenschaftliche Beiträge zur Erfüllung der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union sowie der Artenschutzkonvention und der Klimarahmenkonvention liefern.
Mit dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) als einem der führenden außeruniversitären Einrichtungen der transdisziplinären Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung sowie dem Deutschen Wetterdienst und dem Betreiber von Wettersatelliten, EUMETSAT in Darmstadt sind weitere Kooperationspartner in das LOEWE-Zentrum "Biodiversity and Climate" eingebunden. Ambitioniertes Langfristziel der Projektpartner ist es, eine Aufnahme des gesamten LOEWE-Zentrums in die Bund-Länder-Finanzierung der Leibniz-Gemeinschaft zu erreichen und damit eine nachhaltige Verankerung des Forschungszentrums nach Auslaufen der LOEWE-Förderung sicherzustellen. Mit dem LOEWE-Programm, das aufgrund seiner wettbewerblichen Konzeption und seines Finanzierungsvolumens das bundesweit im Ländervergleich einzigartig ist, verbindet die Landesregierung das Ziel, seinen Beitrag zur Umsetzung der Lissabon-Strategie des Europäischen Rats zu leisten, mit der sich die EU zur weltweit dynamischsten und wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsregion entwickeln will.
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