Philologenverband Baden-Württemberg
Wollen die Landeskirchen wirklich das Gymnasium abschaffen und die verpflichtende Ganztagsschule einführen?
Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) bezieht Stellung zum schulpolitischen Positionspapier der evangelischen Landeskirchen vom 26. September 2008
Mehr zu: Baden-Württemberg, Deutschland, Ganztagsschule, Gemeinschaftsschule, Gymnasium, SchuleDer Philologenverband fragt weiter:
- Ist das auch die Meinung der Kirchenbasis: Soll es nur noch Einheitsschulen und ein zweijähriges Rumpfgymnasium geben?
- Soll die Erziehung weg vom Elternhaus und in die Hände der Schule gelegt werden?
"Entsetzt" äußert sich der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an den Gymnasien über den Inhalt des Positionspapiers, in dem gemeinsames Lernen bis zur zehnten Klasse und damit in Folge die Abschaffung des Gymnasiums sowie die Einführung einer verpflichtenden Ganztagsschule für alle Kinder in Baden-Württemberg gefordert wird.
"Mit einer von beiden evangelischen Landeskirchen geforderten Gemeinschaftsschule wird das in dem Papier anvisierte Ziel einer besseren Qualifikation für alle nicht erreicht", so die unmissverständliche Feststellung des PhV-Landesvorsitzenden Bernd Saur. Er weist im Übrigen darauf hin, dass sich der Philologenverband – bestätigt auch durch eine Reihe wissenschaftlicher Erkenntnisse und Umfragen – für ein mehrgliedriges Schulwesen einsetzt, in dem alle Kinder begabungsgerecht und differenziert gefördert werden können. Eine solche Förderung ist in einem Einheitsschulsystem mit großen Klassen und mit zum Teil enormen Begabungs- und Leistungsunterschieden der Schüler nicht machbar.
Auch die Einführung einer für alle verpflichtenden Ganztagsschule geht nach Meinung des Verbandes an den Wünschen vieler Eltern vorbei. "Wir befürworten den bedarfsorientierten Ausbau von Ganztagsangeboten, lehnen aber eine ganztägige Zwangsbeschulung aller Kinder ab," so der Verbandschef weiter.
"Im Übrigen sollten die evangelischen Landeskirchen zur Kenntnis nehmen, dass laut einer Forsa-Erhebung vom November 2007 60 Prozent aller Bundesbürger die Einführung einer Einheitsschule ablehnen und dass sich 89 Prozent für den Erhalt des Gymnasiums in Deutschland aussprechen."
Saur: "Wir haben in Baden-Württemberg ein vielfältiges Bildungsangebot von hoher Qualität, das jedem Kind offen steht, sofern im Elternhaus ein Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung und Anstrengung vorhanden ist!"
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