Gute Schulbücher helfen Lehrerinnen und Lehrern, gut zu unterrichten. Daher muss die Auseinandersetzung mit dem pädagogischen Stellenwert und mit dem sinnvollen Einsatz von Schulbüchern zum integralen und wesentlichen Bestandteil der Lehrerbildung werden. Dies war eine zentrale Erkenntnis und Forderung der Konferenz "Das Schulbuch: politisch überschätzt, pädagogisch unterschätzt, wissenschaftlich vernachlässigt", die am 29. und 30. September in Braunschweig rund 50 Bildungsexperten zusammenführte.
Damit die vielfältigen pädagogischen Möglichkeiten des schulischen Leitmediums Schulbuch noch besser genutzt werden, müssen die Qualitätsmerkmale von Schulbüchern und Bildungsmedien deutlicher als bisher gegenüber Lehrkräften, den Bildungsverantwortlichen in den Ländern und den Eltern herausgestellt werden. Schulbücher, so eine weitere Erkenntnis der Konferenz, müssen als elementarer Teil der Schulkultur begriffen werden.
Die Erziehungswissenschaften wie auch die Fachdidaktiken haben das Medium "Schulbuch" seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigt, monierte Professor Dr. Joachim Kahlert. Vor den Experten aus den Erziehungswissenschaften, den Kultusverwaltungen, den Lehreraus- und -fortbildungsinstituten sowie Eltern- und Lehrerorganisationen bezeichnete es Kahlert als nicht akzeptabel, dass es keine systematische Befassung der Pädagogik mit dem Schulbuch gebe, obschon es als qualitativ hochwertiges Produkt wesentlich dazu beitrage, die Kernlehrpläne umzusetzen wie zu den Zielen der Bildungsstandards zu führen.
Angesichts einer zunehmenden Belastung der Lehrerinnen und Lehrer durch zahlreiche schulische Reformen und zusätzlich delegierte Aufgaben in der Nach-PISA-Zeit können Schulbücher substanziell dazu beitragen, die Lehrkräfte in der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung zu entlasten. Insofern - darauf wurde von Lehrkräften und Autoren verwiesen - könne der Schulalltag wesentlich effizienter werden.
Schulbuchautoren wie Schulpraktiker verdeutlichten im Braunschweiger Georg-Eckert-Institut die Qualitätsstandards, nach denen Schulbücher entwickelt und hergestellt werden und arbeiteten heraus, wie Schulbücher zur Entlastung der Lehrkräfte und zum selbst kontrollierten Lernen der Schülerinnen und Schüler beitragen können. Sie hoben weiter hervor, dass die Vielfalt der unterschiedlichen Lehrwerke und Materialien, die derzeit auf dem Markt ist, vor dem Hintergrund einer sehr heterogenen Schülerschaft und unterschiedlichsten Anforderungsprofilen notwendig ist - vor allem auch angesichts der berechtigten Forderung nach einer deutlichen individuellen Förderung der Schüler.
Als kontraproduktiv für einen anspruchsvollen Unterricht und für die erfolgreiche Umsetzung der angestrebten schulpolitischen Reformziele wurde die unzureichende Finanzierung von Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien bezeichnet. Die Tatsache, dass im Bundesschnitt derzeit lediglich 38 Euro pro Schüler und Schuljahr für die Anschaffung neuer Lehrwerke ausgegeben würden, führe zu klaren Qualitätseinbußen des Unterrichts. Derzeit müssen Schulbücher aufgrund der unzureichenden Schulbuchetats zehn Jahre und länger in den Schulen eingesetzt werden.
Die Konferenz wurde von den Universitäten Dresden und München wie dem Georg-Eckert-Institut veranstaltet und vom VdS Bildungsmedien e.V. unterstützt.
Andreas Baer
VdS Bildungsmedien e.V.
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