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"Lehrermangel bedroht Deutschlands Zukunft noch stärker als Ingenieur- und Naturwissenschaftlerlücke!"

DPhV-Erklärung anlässlich des Weltlehrertages am 5. Oktober 2008

Mehr zu: Abwanderung, Bildungsgipfel, Deutschland, Drittmittel, Junglehrer, Lehrerbildung, Lehrermangel, Lehrertag, Referendariat, Stiftungen, Stipendien, Unterrichtsversorgung, Weltlehrertag, Hochschule, Schule
Berlin, 04.10.2008 -

Als größte Bedrohung auf dem Weg zur modernen Bildungsgesellschaft in Deutschland bezeichnete der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, den massiven Lehrermangel insbesondere in den alten Bundesländern. Inzwischen könnten fast 20 Prozent des Unterrichts in den Naturwissenschaften und in der Mathematik nicht mehr durch dafür umfassend ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer erteilt werden, sondern es müsse vermehrt Unterricht durch Quereinsteiger ohne ausreichende pädagogische Qualifikationen sowie durch Studenten und fachfremde Lehrkräfte erteilt werden.

Der Lehrerverbandschef wies aber ausdrücklich darauf hin: "Die Situation ist allerdings sehr unterschiedlich. Während auf Grund der sehr stark gestiegenen Studienanfängerzahlen in Deutsch, den Fremdsprachen und den Gesellschaftswissenschaften ab 2012 sogar wieder mit einem Lehrerüberangebot an Gymnasien, Real- und Gesamtschulen zu rechnen ist, wird sich die Lehrerlücke im naturwissenschaftlichen Bereich weiter vergrößern. Es ist deshalb die große gesellschaftliche Herausforderung, mehr junge Frauen und Männer für die Naturwissenschaften und für Lehrerberufe in diesem Bereich zu interessieren und zu gewinnen."

Konkret regte Meidinger im Zusammenhang mit dem Bildungsgipfel die Gründung eines Stipendienfonds an, der angehenden Lehrern im naturwissenschaftlichen Bereich Zuschüsse zum Referendarsgehalt zahlt, um eine Abwanderung in die Wirtschaft zu verhindern. Der Verbandsvorsitzende erinnerte daran, dass zu Zeiten des Lehrermangels in den 60-er und 70-er Jahren schon einmal die Volkswagen-Stiftung dieses Modell erfolgreich erprobt habe. Wörtlich sagte er: "Wir wollen keine unterschiedliche Bezahlung nach Fächern für festangestellte Lehrer, wir glauben aber, dass durch Zusatzstipendien während des Referendariats mehr Mathematiker und Naturwissenschaftler für das Lehramt gewonnen werden könnten!"

Eine generelle Aufstockung der Referendarsbezüge für alle Junglehrer sei darüber hinaus überfällig, inzwischen verdienten Auszubildende im 3. Lehrjahr in der Regel mehr als die Referendare, die sie an der Berufsschule unterrichten, sagte Meidinger und ergänzte: "Der Lehrermangel bedroht Deutschlands Zukunft noch stärker als das Defizit an Ingenieuren, Informatikern, Mathematikern und Naturwissenschaftlern, weil diese notfalls aus dem Ausland angeworben werden könnten. Für Lehrer gilt dies nicht oder nur in ganz geringem Maße."

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