GEW Baden-Württemberg
Gute Schulen brauchen gesunde Lehrer/innen
GEW: Maßnahmenpaket für Gesundheitsförderung statt Pension 67
Mehr zu: Baden-Württemberg, Deutschland, Gesundheit, Hauptschule, Lehrerarbeitszeit, Lehrerbildung, Schulsozialarbeit, Statistik, Schule"Statt medienwirksam die Pensionsgrenze 67 zu fordern, sollte Günther Oettinger zuerst seine Zusagen einlösen. Wir warten immer noch auf den Start des Maßnahmenpakets für Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Schulen in Baden-Württemberg im Umfang von 4,2 Millionen Euro. In Sonntagsreden werden immer wieder Entlastungen für die Schulen versprochen, aber die Lehrerinnen und Lehrer harren bisher vergeblich auf die fest zugesagten Verbesserungen", sagte am Dienstag (07.10.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Der Mediziner Prof. Dr. Joachim Bauer aus Freiburg bezeichnete Aggressionen und Gewalt im Schulalltag als eine wichtige Ursache für die Erkrankung von Lehrer/innen. Eine Studie seiner Arbeitsgruppe an der Universität Freiburg ergab, dass offene Feindseligkeit, schwere Beleidigungen und Aggressivität, denen Lehrkräfte im Klassenzimmer von Schülerseite ausgesetzt sind, am stärksten die Lehrergesundheit belasten. Auch von Elternseite erlebte Aggressivität und Unzufriedenheit hatte einen signifikanten negativen Einfluss. Besonders dramatisch scheint die Situation an Hauptschulen zu sein, wo allein innerhalb eines Jahres mehr als 53 Prozent der Lehrkräfte erleben, dass sie im Unterricht von Schülern schwer beleidigt oder aggressiv angegangen werden. Bauer wies daraufhin, dass eine repräsentative Studie in südbadischen Hauptschulen und Gymnasien ergab, dass eigentlich jeder dritte Lehrer krankgeschrieben werden müsste.
Bauer hat ein Modell entwickelt, mit dem Lehrer/innen über Gesundheitstage und Coachinggruppen auf die Belastungen im Schulallag besser vorbereitet werden können. Die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende und Arbeitsschutzexpertin Barbara Haas machte sich gegenüber der Landesregierung für einen präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz stark. Dazu gehören neben Fortbildung und Coaching auch kleinere Klassen und mehr Unterstützung zum Beispiel durch Schulsozialarbeiter/innen und Schulpsycholog/innen.
Pensionierungsalter bei 62 Jahren
Das Pensionierungsalter von Lehrer/innen lag 2006 bei 62,5 Jahren. Nur 26,8 Prozent gehen mit der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand. Die mit Abschlägen verbundene Antragsaltersgrenze nehmen 53,8 Prozent in Anspruch, wegen Dienstunfähigkeit gehen 19,4 Prozent vorzeitig in Ruhestand. Viele Kolleg/innen erkaufen sich den früheren Ausstieg mit Freistellungsjahren und Beurlaubungen. Der Anteil der Schwerbehinderten steigt über 50 Jahren deutlich an.
Die Landesregierung Baden-Württemberg könnte viel Geld sparen, wenn sie mehr in den Arbeits- und Gesundheitsschutz der 116.000 Lehrer/innen investieren würde. "Nur etwa jede dritte Lehrkraft arbeitet bis zum Pensionsalter von 65 Jahren, viele müssen wegen Dienstunfähigkeit früher ausscheiden. Gute Schule braucht gesunde Lehrerinnen und Lehrer. Doch vorbeugender Arbeits- und Gesundheitsschutz wird bisher sträflich vernachlässigt", sagte Moritz.
Das Arbeitsschutzgesetz vom 21.08.1996 verlangt einen einheitlichen Arbeitsschutz für alle Beschäftigte in Deutschland. In allen Schulen sind regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen der physischen und psychischen Belastungen vorzunehmen. Dies ist bis heute bundesweit nur an einer Minderheit der Schulen erfolgt. Baden-Württemberg war das erste Bundesland, das auf Initiative der GEW ein Projekt zum Gesundheits- und Arbeitsschutz von Lehrkräften gestartet hat. Die GEW hatte erreicht, dass im Jahr 2001 in einer Pilotphase an 530 Schulen mit 19.500 Lehrkräften Gefährdungsanalysen an den Arbeitsplätzen der Lehrer/innen durchgeführt wurden. In der 2005 abgeschlossenen Probephase konnten rund 600 Schulen einen sicherheitstechnischen Bericht einer Fachkraft für Arbeitssicherheit entgegennehmen und dann auf Abhilfe drängen.
In großen Unternehmen werden große Summen in Arbeits- und Gesundheitsschutz investiert. Die Firmenleitungen wissen, dass nur gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gute Arbeit leisten können.
Studie: Welche Faktoren machen Lehrer/innen krank?
Welche Faktoren machen schulische Lehrkräfte krank? Mediziner der Freiburger Universitätsklinik um Studienleiter Professor Joachim Bauer und Dr. Thomas Unterbrink haben erstmals analysiert, dass insbesondere erlebte Aggressivität eine ganz wesentliche Ursache für Krankheiten ist.
Weitere Informationen: www.gew-bw.de
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