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BLLV pocht auf gerechteres Bildungssystem

Präsident Klaus Wenzel fordert rasche Umsetzung eines Sieben-Punkte-Programms: "Bayerns Schulsystem ist überholt und nicht zeitgemäß"

Mehr zu: Auslese, Bayern, Bildungschancen, Gesundheit, Integration, KITA, Lehrerbildung, Lehrermangel, Schülerzahlen, Schulstruktur, Unterrichtsversorgung, Vergütung, Hochschule, Schule
München, 10.10.2008 -

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat sich nach der Landtagswahl mit sieben Forderungen an die Politik gewandt. "Bayerns Lehrerinnen und Lehrer erwarten die zügige Umsetzung dringend erforderlicher schul- und bildungspolitischer Reformen von den Kindertagesstätten über alle Schularten bis zur universitären und beruflichen Bildung. Im Kern muss es darum gehen, das Bildungssystem gerechter zu gestalten und die starre Dreigliedrigkeit aufzubrechen. Bayerns Schulsystem ist überholt, nicht mehr zeitgemäß und ungerecht. Es wird den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts an moderne Schul- und Bildungspolitik nicht gerecht."

  1. An erster Stelle steht die neue Definition des schulischen Leistungsbegriffes. Aus dem Prinzip der Belehrung muss das Prinzip des Lernens werden. "Wir müssen weg von totem Faktenwissen hin zu lebendigem und intelligentem Handlungswissen und zu einer stärkeren Kompetenzorientierung."

  2. Die pädagogischen Aufgaben der Schule müssen den sich veränderten Lebenswelten der Schüler angepasst werden. Dazu benötigt die Schule mehr fachliche und finanzielle Unterstützung. Der BLLV fordert ein großzügiges Finanz-Budget für jede Einzelschule und einen stärkeren Einsatz von Schulpsychologen, Sozialpädagogen und Sonderpädagogen. Angesichts der bedrohlichen Gesundheitssituation bei vielen Schulkindern muss auch der schulärztliche Dienst ausgeweitet werden.

  3. Alle Schularten müssen im Hinblick auf soziale Integration, demokratisches Handeln und soziale Gerechtigkeit neu definiert werden. "Kooperations- und Integrationsmodelle müssen bisherige Auslese- und Ausgrenzungsmodelle ablösen", erklärte Wenzel. Im Vordergrund muss der Bildungsauftrag stehen und nicht der Sortierauftrag.

  4. Der BLLV-Präsident sprach sich in einem weiteren Punkt für ein verändertes Steuerungssystem in der Schule inklusive Personal- und Finanzentscheidungen aus: "Künftig wird es erforderlich sein, sich von der traditionellen zentralistischen Steuerung zu lösen, um sie durch stärkere Entscheidungskompetenzen in der jeweiligen Bildungseinrichtung zu ersetzen." Das BLLV-Konzept "Regionale Schul-Entwicklung" (RSE) ermöglicht nicht nur neue Steuerungsformen, sondern garantiert für alle Regionen in Bayern bei rückläufigen Geburten- und Schülerzahlen ein wohnortnahes und qualitätsvolles Bildungsangebot. "Der BLLV steht für pragmatische Lösungen, die den Menschen im Land nützen; den ideologischen Streit um veraltete Strukturen lehnen wir ab."

  5. Der BLLV-Präsident forderte ein verändertes Professionalitätsverständnis der Lehrer. "In der Schule des 21. Jahrhunderts müssen Schülerinnen und Schüler aktive und anspruchsvolle Lernprozesse durchlaufen, die zu vielseitigen Kompetenzen führen. Im Mittelpunkt müssen eine neue Lern- und Leistungskultur sowie moderne Methoden der Leistungserhebung stehen - weg von der Etikettierung und Stigmatisierung hin zur Einzelförderung und Differenzierung im Unterricht.

  6. Eine deutliche Schwerpunktsetzung erwartet sich der BLLV in der Lehrerbildung. "Wir brauchen bestens qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer. Das heißt, Universitäten dürfen die Lehrerbildung finanziell und personell nicht ausbluten lassen", betonte Wenzel. Nötig ist die engere Verzahnung von Theorie und Praxis in der Lehrerbildung und die Möglichkeit, im Verlauf des Studiums Qualifikationen wie Methodenkompetenz, Beziehungskompetenz und Reflexionskompetenz erwerben zu können, die im Beruf gebraucht werden. Die Ausbildung der Lehrer nach Schularten hält der BLLV für antiquiert und fordert daher eine Stufenlehrerausbildung.

  7. Der akute Lehrermangel hängt mit den Arbeits-, Besoldungs- und Beförderungsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer zusammen. Der BLLV-Präsident verlangte daher, Beförderungsämter für Lehrkräfte an Grund,- Haupt- und Realschulen einzuführen, um damit besonderes Engagement und gute Leistungen dieser Lehrer/innen zu belohnen und zu honorieren. "Ankündigungen vor der Landtagswahl müssen jetzt zügig verwirklicht werden."

"Die Landtagswahl in Bayern hat deutlich gezeigt: Schul- und Bildungspolitik ist für viele Menschen das zentrale Thema der Zukunft. Das Wahlergebnis hat auch deutlich vor Augen geführt, wie groß die Unzufriedenheit an und mit den Schulen ist. Der Wunsch nach tiefgreifenden Veränderungen ist groß wie nie", erklärte der BLLV-Präsident. "Dieser Auftrag muss von der bayerischen Staatsgerierung ernst genommen und umgesetzt werden. Der BLLV bietet bei diesem Prozess Unterstützung an - überall dort, wo sie gewünscht wird. Ziel des BLLV bleibt weiterhin, das bayerische Bildungssystem gerechter, leistungsorientierter und kinderfreundlicher zu gestalten."

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