Der Landesschülerbeirat habe in seiner Äußerung zur Mehrgliedrigkeit des Schulwesens einige gute Argumente zur Weiterentwicklung der Schulen gegeben. Trotzdem sei die Angst der Gymnasiasten vor den Hauptschülern deutlich herauszuspüren, so der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg.
In die Realschule oder auf das Gymnasium darf man, auf die Hauptschule muss man gehen. Im Gymnasium bekommt man eine solide Allgemeinbildung vermittelt, in der Realschule eher die "Light-Version". Hauptschülern traut man nicht einmal mehr eine "Ultralight-Bildung" zu. Während es für den gesellschaftlichen Status eines Schülers ziemlich zweitrangig ist, ob er ein naturwissenschaftliches oder sprachlich orientiertes Gymnasium besucht, ist es ein gewaltiger Unterschied, ob sich ein Jugendlicher als Gymnasiast oder Hauptschüler outet.
Während die Namen frisch gebackener Abiturienten beinahe im Stil einer "Heldengedenktafel" in der Lokalpresse präsentiert werden, fragt sich der Leiter der örtlichen Hauptschule, ob es nicht vielleicht sogar diskriminierend sei, wenn er die erfolgreichen Absolventen der Abschlussklassen öffentlich bekannt gibt.
Solange gescheiterte Gymnasiasten oder Realschüler zur Hauptschule weiter gereicht werden nach dem Motto "Wenigstens das werden sie ja noch schaffen!", kann diese Schulart weder eigenständig noch erfolgreich sein. Nicht ohne Grund erscheint die Hauptschule heute manchem als soziales Auffangnetz für gescheiterte Existenzen, während sie früher dem motivierten Schüler das solide Fundament für einen späteren Aufstieg zum Meister ermöglicht hat.
Vor allem Eltern, Lehrer und Standesorganisationen der beiden anderen weiterführenden Schularten kämpfen vehement gegen die Auflösung der Hauptschule, da sie - sicher nicht ganz unberechtigt - eine Verlagerung der Probleme in ihre noch scheinbar heile Schulwelt fürchten, die aber auch schon lange keine Insel der Seligen mehr ist. Schulentwicklung könne man nur mit allen Schulen zusammen und nicht gegen eine Schulart betreiben, so der VBE-Sprecher.