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Pressemeldung von: Landeselterninitiative für Bildung e.V.

"Qualifizierungsinitiative für Deutschland – Aufstieg durch Bildung"

Offener Appell an die Vorsitzende und die Mitglieder der Kultusministerkonferenz

Saarbrücken, 16.10.2008

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Mitglieder der Kultusministerkonferenz, aus Anlass Ihrer heutigen Konferenz in Saarbrücken wollen wir als gemeinnützige Initiative von Eltern zum anstehenden Thema "Qualifizierungsinitiative für Deutschland – Aufstieg durch Bildung", das Sie für den Bildungsgipfel in der nächsten Woche vorbereiten, einen Appell an Sie richten.

Die Qualifizierungsinitiative nennt unter dem Motto "Aufstieg durch Bildung" als gemeinsames Ziel von Bund und Ländern die Bündelung aller Maßnahmen, die den Weg zu mehr Bildung und Qualifizierung öffnen sollen. Wir meinen: In dem Maß wird unsere Gesellschaft eine Zukunft haben, wie es gelingt, die Bildung von Kindern weiterzuentwickeln und Orte zu kultivieren, an denen Wissen, Kompetenzen und Ideen gedeihen. Kinder sollen Eigeninitiative, Unternehmensgeist, Teilhabe und Mitverantwortung sowie eine demokratische Kultur des Zusammenlebens erlernen und erleben. Schulen sind nicht in erster Linie "Wissensfabriken", deren Qualität primär an quantitativ zählbaren Testpunkten gemessen und durch Druck auf die Lehrenden und Lernenden gesteigert werden kann. Machen Sie "Wir dürfen kein Kind verlieren!" zum Maßstab.

In Unterstützung des Postulats des Schulverbundes "Blick über den Zaun" vom November 2006 (Erklärung von Hofgeismar 14. November 2006) fordern wir ein:

1. Pädagogik des Förderns statt Pädagogik der Auslese

Wir müssen weg von einem Bildungssystem, das zu stark darauf ausgerichtet ist, überdurchschnittliche Schüler von unterdurchschnittlichen zu trennen. Hin zu einem System, das individuelle Schwächen ausgleicht und Talente fördert. In den Schulen müssen die Rahmenbedingungen für den Umgang mit heterogenen Lerngruppen und die Individualisierung des Unterrichtes so geschaffen werden, dass eine Pädagogik des Förderns an die Stelle einer Pädagogik der Auslese tritt. Lehrerinnen und Lehrer brauchen eine entsprechende Fortbildung, begleitende Supervision und endlich mehr Zeit, sich um die individuelle Förderung der Kinder kümmern zu können. Wir brauchen eine Bildungskultur, die die Individualität der Einzelnen anerkennt sowie die Kreativität, Eigenverantwortung und den Eigensinn der Kinder und Jugendlichen fördert. Öffnen Sie das Schulsystem für ein langes gemeinsames Lernen aller Kinder und Jugendlicher und für die Stärkung integrativer Tendenzen im System sowie in der Alltagspraxis jeder Einzelschule. In nahezu allen europäischen Ländern lernen heute alle Kinder sechs oder mehr Jahre gemeinsam; die Hälfte der europäischen Länder hat inzwischen eine für alle gemeinsame Schule für die gesamte Dauer der Schulpflicht. Die Beschränkung des gemeinsamen Lernens auf eine nur vierjährige gemeinsame Schule sollte überwunden werden können, frühes Trennen und Ausgrenzen verhindert werden.

2. Ganztagsschulen - ganztägig lernen

Wir brauchen ein flächendeckendes Angebot an echten Ganztagsschulen in allen Bundesländern; dazu müssen einige, die noch Versorgung und Betreuung in den Vordergrund rücken, ihre ideologischen Barrieren überwinden. Auch das Saarland. Die PISA-Untersuchungen haben klare Anhaltspunkte erbracht, dass ein flächendeckendes Angebot an echten Ganztagsschulen, das im Übrigen die meisten Länder in der EU und der OECD besitzen, zu höherem Leistungsniveau führt und eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass Kinder individuelle Leistungsunterschiede ausgleichen sowie ein schlechtes außerschulisches Lernumfeld überwinden können. Dabei geht es nicht um die bloße Ausdehnung des (heute geläufigen) Unterrichts von fünf auf acht Stunden, sondern um verändertes Lernen. Um die Wandelung der Schule von einer Anstalt konzentrierter Belehrung zu einem geordneten Lebens- und Erfahrungsraum. Lernen kann dort zur "Vorfreude auf sich selbst werden", ist besser rhythmisiert, die gemeinsame "Lernzeit" wird höher. Echte Ganztagsschulen - im Saarland z.B. sind dies von insgesaamt 316 Schulen nur vier Grundschulen und eine Gesamtschule - sind deshalb auch ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit.

Der Aktionsrat Bildung (2007) und der Wissenschaftliche Kooperationsbund (2006) kommen, wie viele andere zum Ergebnis, dass "insbesondere die gebundenen Ganztagsschulen hohe positive Effekte" aufweisen: "stärkere Schulentwicklungsorientierung, Innovations- und Kooperationsbereitschaft der Lehrerkollegien, bessere Lernkultur und Verzahnung des Unterrichts mit außerunterrichtlichen Angeboten, Verbesserung des Sozialverhaltens, Ausgleichseffekte in Bezug auf Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund (z.B. bereits bei 20 Prozent mehr Lernzeit ergaben sich deutliche Steigerungen im Leseverständnis). Die laufende Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass auch "das Familienklima und die Zeit, die der Familie für gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung steht, durch die Teilnahme von Kindern am Ganztagsbetrieb positiv beeinflusst werden. Ganztagsschulen fördern die "Work-Life-Balance" der Eltern und entlasten die Familien. Gerade beim Umgang mit Hausaufgaben wird die Ganztagsschule als Entlastung wahrgenommen."

3. Mehr Zeit und Freiraum – kleinere Klassen

Zurückgehende Schülerzahlen müssen dazu genutzt werden, sowohl an den Grundschulen als auch an den weiterführenden Schulen ein besseres Sozial-, Arbeits- und Lernklima, mehr Raum für persönliche Entfaltung und persönliches Engagement zu entwickeln. In kleineren Klassen werden Lerndefizite und individuelle Probleme von Schülern rascher und klarer erkannt, sie können umfassender und gründlicher aufgearbeitet werden.

4. Schulen den Orten bewahren - Kinderbildungs- und Kulturzentren entwickeln Spielen, Forschen und Lernen haben viel gemeinsam. In den Ortschaften sollen Gemeinden, Kirchen, Schulleitungen und Eltern nach Wegen suchen, Erziehung, Bildung und Betreuung in einem Kinderbildungszentrum zusammenzuführen. Mit einem abgestimmten pädagogischen Konzept würde ein solcher Weg der Bedeutung der frühkindlichen Bildung für die Gesamtentwicklung und dem Wert von Kindergärten und Schulen für die Orte gerecht. Das Kinderbildungszentrum kann sich zum Mittelpunkt der örtlichen Kultur entwickeln, wenn Träger der Jugendhilfe und sozialen Arbeit, wenn sportlich und kulturell tätige Vereine, ansässige Berufe und Betriebe, Künstler usw. einbezogen werden. Dort ließe sich auch ein sinnvolles Miteinander von Jung und Alt gestalten. Ein solches Modell stärkt die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Lebensfähigkeit des Gemeinwesens.

5. Raum als Ausdruck der Wertschätzung und Förderer der Bildung Schulen müssen einladend, freundlich und anregend gestaltet sein. Ein Ort, an dem Kinder den ganzen Tag über gern und gut leben und lernen können. Ein Ort, der Wertschätzung ausdrückt. Gute Möbel, Ausstattung der Schule mit vielfachen Lerngelegenheiten, Ausstattung der Klassen und Arbeitsplätze mit handlichen, anregenden, gut geordneten Materialien, genügend Platz zum Lernen, Spielen und Bewegen, dies sollten Standards für Schulen werden. Der Raum darf auch kein Hindernis sein, wenn Schulen andere Angebote ausprobieren wollen. Mit freundlichen Grüßen gez. Bernhard Strube, Wolfgang Schäfer, Armin Prior Sprecher und stellv. Sprecher


Zur Veröffentlichung freigegeben - Landeselterninitiative für Bildung e.V. / bildungsklick.de


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