Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg begrüßt die kritischen Äußerungen von Ministerpräsident Günther Oettinger zum Medienkonsumverhalten Kinder und Jugendlicher und unterstützt ihn in seinem Bemühen, neue Medien nicht grundsätzlich zu verteufeln, sondern sinnvoll anzuwenden. Der mündige Bürger soll den Fernsehapparat beherrschen, nicht der Bildschirm den Zuschauer. Für diesen nicht ganz einfachen Lernprozess benötigen Schüler die Anleitung von Elternhaus und Schule.
"Warum investieren Firmen so viel Geld in die TV-Werbung, wenn Fernsehen angeblich so wenig Einfluss auf die Zuschauer ausübt, wie immer gern behauptet wird?", fragt VBE-Chef Rudolf Karg. "Kinder und Jugendliche bekommen über den Bildschirm die ganze Welt ins Haus geliefert, können aber immer weniger mit Worten ausdrücken, was sie gesehen haben." Sprachentwicklungsstörungen bei Vorschul- und Grundschulkinder haben in erschreckendem Maße zugenommen. "Wie sollen Kinder in der Schule kleine ausgedachte oder erlebte Geschichten aufschreiben, wenn ihnen dafür die Worte fehlen?", fragt der VBE-Chef.
Sinn des Fernsehens sei es auch nicht, Kinder "ruhig zu stellen"; der Bildschirm sei ein schlechter Elternersatz und schon gar kein Babysitter.
Der VBE appelliert an alle Erziehungsberechtigten, vor allem jüngere Kinder vor dem Bildschirm nicht allein zu lassen und Sendungen auch mit älteren gemeinsam auszusuchen. Medienkompetenz könne sich erst durch Nachdenken und Sprechen über das Gesehene entwickeln.
Dem Lehrerverband liegt es fern, die modernen Medien zu verteufeln, denn der gezielte und wohl dosierte Einsatz von Fernsehen und Computer sei durchaus positiv für die Entwicklung der Schüler. Doch nicht jede Sendung, die den Stempel "Kinderfernsehen" trage, verdiene dieses Prädikat.
Wenn Kinder zu oft und zu lange vor dem Fernsehapparat sitzen, verbleibt zu wenig Zeit, die Umwelt auf eigene Faust zu erkunden, beklagt der VBE.