Deutscher Philologenverband (DPhV)
Philologenverband zum Bildungsgipfel am 22.10.2008: Für wirksame Schritte zum Abbau des Lehrermangels
Gegen weitgehende Öffnung der Universitäten für Nichtabiturienten
Mehr zu: Bildungsgipfel, Deutschland, Drittmittel, Lehrerbildung, MINT-Fächer, Referendariat, Stipendien, Studierfähigkeit, Unterrichtsversorgung, Hochschule, SchuleSofort wirksame Schritte der Bundesländer mit Unterstützung des Bundes zum Abbau des Lehrermangels insbesondere in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) erwartet der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, vom Bildungsgipfel am morgigen Mittwoch. Dazu erneuerte der DPhV-Vorsitzende seinen kürzlich unterbreiteten Vorschlag, einerseits die Referendarsgehälter für angehende Lehrerinnen und Lehrer deutlich anzuheben und andererseits einen Stipendienfond zu schaffen, der Lehramtsbewerbern aus dem MINT-Bereich Zuschüsse zum Referendariat gewähre. "Bereits während des dramatischen Lehrermangels in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ist man mit einem solchen Stipendienmodell, damals aufgelegt von der Volkswagenstiftung, dem Lehrermangel in den Naturwissenschaften und der Mathematik erfolgreich begegnet!", so Meidinger.
Langfristig könne allerdings nur eine nachhaltige gesellschaftliche Aufwertung des Lehrerberufs und des Lehrerimages sowie eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Schulen sicherstellen, dass sich genügend junge Menschen für den Lehrerberuf entscheiden, betonte der Bundesvorsitzende.
Kritik an geplanter weitgehender Öffnung der Universitäten für Nichtabiturienten
Heftige Kritik übte der Verbandsvorsitzende an der im Vorfeld des Bildungsgipfels von der Bundesbildungsministerin geäußerten Absicht, die Hochschulen generell für Berufstätige ohne Abitur zu öffnen: "Wozu bereiten wir an den Gymnasien und an anderen Schularten die Schüler qualifiziert auf das Abitur und die allgemeine Hochschulreife vor, wenn jedem Berufstätigen dann plötzlich automatisch die Studienreife attestiert wird. Damit entwertet man einerseits das Abitur und überfordert andererseits die Universitäten. Es ist ein grundlegender Fehler, den Menschen zu suggerieren, ohne Universitätsstudium sei eine Bildungsbiographie, ein Ausbildungsweg nichts wert."
Sollten diese Pläne von der Kultusministerkonferenz bis 2010 umgesetzt werden, prophezeite Meidinger einen weiteren massiven Anstieg der Studienabbrecherquoten.
Junge Philologen: "Bildungsgipfel muss doppelter Aufbruch für die Jugend sein"
Auch der Bundesvorsitzende der Jungen Philologen im DPhV, Dr. David-Samuel Di Fuccia, forderte mit Blick auf den Bildungsgipfel am 22. Oktober die Bundeskanzlerin auf, die Chancen der jungen Generation nachhaltig zu verbessern. "Dies bedeutet vor allem, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere Schülerinnen und Schüler am Gymnasium bestmöglich lernen können. Es darf nicht durch immer neue Strukturdebatten bei den Jugendlichen und den Lehrern Unsicherheit geschürt werden, sondern den Gymnasien muss die Möglichkeit gegeben werden, sich angemessen weiter zu entwickeln".
Zu einer solchen gesunden Weiterentwicklung gehöre aber eben auch, so Di Fuccia, dass regelmäßig und verlässlich gut ausgebildete junge Lehrerinnen und Lehrer an die Schulen kämen. Daher müsse es ein zweites Ziel des Bildungsgipfels sein,
- die Einstellungschancen für junge Lehrer am Gymnasium gerade auch in den östlichen Bundesländern zu erhalten und zu verbessern,
- die Gymnasiallehrerausbildung zum Gegenstand besonderer Bemühungen um inhaltliche Exzellenz zu machen und
- den Lehrerberuf finanziell und gesellschaftlich wieder für die Besten eines Jahrganges attraktiv werden zu lassen.
"Mit einem solchen doppelten Signal an die Jugend wäre auf dem Bildungsgipfel dann wirklich ein Höhepunkt bei der Sicherung von Zukunftschancen für jeden Einzelnen und für die Bundesrepublik als Ganze zu erreichen", betonte der Vorsitzende der Jungphilologen.
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