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Pressemeldung
GEW Baden-Württemberg

Landet im Kinderland die Grundschule auf dem Abstellgleis?

Landesregierung verhandelt Neuordnung der Lehrerausbildung

Mehr zu: Baden-Württemberg, Deutschland, Grundschule, Hauptschule, Individuelle Förderung, KITA, Lehrerbildung, Sonderschulen, Schule, Hochschule
Stuttgart, 24.10.2008 -

Der Bildungsgewerkschaft GEW liegen Informationen über Pläne der Landesregierung vor, ein eigenständiges Grundschullehrerstudium einzuführen, das kürzer als die ebenfalls neu strukturierte Ausbildung für Haupt- und Realschullehrer/innen sein soll. "Wenn die Landesregierung diese Pläne weiterverfolgt, könnte sie ihren Werbespruch vom Kinderland Baden-Württemberg endgültig zu Grabe tragen. Alle Experten sind sich einig, dass es bei der Weiterentwicklung der Bildungseinrichtungen vor allem auf den Anfang ankommt, aber in unserem Land sind kleine Kinder nur Gegenstand von Sonntagsreden", sagte am Freitag (23.10.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Im Landeskabinett soll über eine Vorlage diskutiert werden, nach der an den Pädagogischen Hochschulen ab 2010 die Lehramtsstudiengänge für die Haupt- und Realschule zu einem stufenbezogenen Lehramt zusammengeführt werden sollen. Für angehende Grundschullehrer/innen ist ein eigener Primar-Studiengang geplant, der mit sieben Semestern kürzer sein soll als der neue achtsemestrige Studiengang für die Sekundarstufe I. Sollte sich dieser Vorschlag durchsetzen, wäre dies eine erneute Niederlage für Kultusminister Helmut Rau (CDU), der mehrfach versprochen hat, dass die Ausbildung der Grundschullehrer/innen nicht entwertet und mehr in eine bessere individuelle Förderung der Kleinsten im Land investiert werden soll.

Die GEW begrüßt eine Neuordnung des Lehrerstudiums und die Orientierung am Alter der Schüler/innen. "Wir brauchen keine Ausbildung für einzelne Schularten, und auch eine stärkere Verzahnung der Ausbildung für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen ist sinnvoll. Aber es darf nicht der Grundsatz gelten, je jünger die Kinder, desto kürzer ist die Ausbildung und Bezahlung der Pädagoginnen und Pädagogen. Am Anfang werden die entscheidenden Grundlagen für die Entwicklung der Kinder gelegt, deshalb brauchen wir die beste Ausbildung, um auch die besten Abiturienten für diesen Beruf gewinnen zu können", so Moritz.

37.000 Studierende an Pädagogischen Hochschulen (PH)

In Baden-Württemberg gibt es sechs Pädagogische Hochschulen, neun Universitäten, fünf Musik- und zwei Kunsthochschulen. Im Wintersemester 2006/07 waren dort insgesamt 36.978 Studierende in Lehramtsstudiengängen eingeschrieben. 41 Prozent von diesen strebten das Lehramt an Gymnasien an, 32 Prozent das Lehramt an Grund- und Hauptschulen und 15 Prozent das Lehramt an Realschulen. Mit Studierendenanteilen von 6 Prozent bzw. 5 Prozent waren das Lehramt an Sonderschulen und die Diplom-Studiengänge für die Lehrämter an beruflichen Schulen vergleichsweise selten vertreten.

OECD zur Lehrerausbildung:

"Die starke Fragmentierung nach Schularten und Fächern ist einer der Hauptschwachpunkte des gesetzlichen Rahmens für die Ausbildung und die Beschäftigung von Lehrkräften in Deutschland. Wir sehen zahlreiche Beispiele für isolierte Operationen in Bereichen, wo Integration nicht nur zu einem effizienteren Ressourceneinsatz führen, sondern vermutlich auch für einen besseren fachlichen Inhalt sorgen könnte."

10 Semester Lehrerstudium

Experten empfehlen bei der Einführung von Bachelor- und Masterstudien¬gängen in der Lehrerbildung eine einheitliche Studiendauer von zehn Semestern (300 ECTS-Punkte) vorzusehen.

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