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Technische Bildung für alle – ein vernachlässigtes Element der Innovationspolitik

Untersuchung zur technischen Bildung in Deutschland

Mehr zu: Berufsorientierung, Deutschland, Europa, MINT-Fächer, Hochschule
Hannover, 24.10.2008 -

Technologische Innovationen sind die Basis für den Wohlstand in Deutschland. Dementsprechend rückt auch das Thema technische Bildung immer mehr in den Fokus von Politik und gesellschaftlichen Diskussionen. Schon längst gibt es zahlreiche Initiativen zur Förderung der technischen Bildung, getragen und gefördert von engagierten Praktikern aus dem Bildungsbereich und der Industrie, privaten Förderern und nicht zuletzt öffentlichen Institutionen auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene.

Doch warum ist bislang so wenig davon zu merken? Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Innovations- und Technikanalyse" (ITA) geförderte Untersuchung zur Situation der technischen Bildung in Deutschland – die nun als Buch unter dem Titel "Technische Bildung für alle. Ein vernachlässigtes Schlüsselelement der Innovationspolitik" vorliegt – gibt Antworten.

Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Annahme, dass eine Analyse der technischen Bildung in Deutschland eine Bildungsbereiche übergreifende, ganzheitliche Perspektive beinhalten muss. Die Praxis zeigt, dass etwa Maßnahmen, die sich an Abiturienten und Abiturientinnen richten und für die Aufnahme naturwissenschaftlicher oder technischer Studiengänge werben sollen, oftmals zu spät kommen, weil sich die Interessenschwerpunkte von Schülerinnen und Schülern bereits früher herausgebildet und gefestigt haben.

Für das aus Experten und Expertinnen aus allen Bildungsbereichen bestehende siebzehnköpfige Autorenteam ist technische Bildung deshalb keine isolierte Angelegenheit in den einzelnen Gliedern der Bildungskette, sondern ein auf vielfältige Weise miteinander vernetzter und aufeinander bezogener Bildungsprozess. In der Untersuchung werden deshalb Ergebnisse aus den einzelnen Bestandsaufnahmen zur Situation der technischen Bildung in den Bereichen der frühkindlichen Erziehung, der schulischen Bildung, der hochschulischen Bildung, der beruflichen Bildung und der Erwachsenenbildung im Hinblick auf Schnittstellen zu den anderen Bildungsbereichen beleuchtet und vielfältige Optionen für Verbindungen herausgearbeitet.

In dem von HIS bearbeiteten Kapitel zur Studienetappe wird deutlich, dass gängige Erklärungsmuster für das abnehmende Interesse am Ingenieurstudium, wie die Abwahl von einschlägigen Grundlagenfächern in der Oberstufe oder Technikfeindlichkeit in der Jugend einer empirischen Überprüfung nicht standhalten. Vielmehr verweisen einige Befunde auf den Bereich der beruflichen Bildung; dort hat es über Jahrzehnte einen massiven Orientierungswandel hin zu "modernen" Dienstleistungsberufen gegeben, dem die technischen Berufe und Studiengänge keine adäquaten Strategien eines Imagewandels entgegen stellen konnten. Deutlich wird dabei, dass es nach wie vor zu wenig gelingt, Frauen mit einschlägigen technischen Interessen für ein Ingenieurstudium zu gewinnen. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit des Studienwahlverhaltens techniknaher männlicher Studienberechtigter von den konjunkturell stark schwankenden Beschäftigungschancen und Berufsperspektiven für Ingenieure. Der zweite große Problembereich liegt im hohen Studienabbruch und Fachwechsel von Studierenden der Ingenieurwissenschaften, der sich nicht monokausal auf Leistungsprobleme der Studierenden zurückführen lässt.

Die Untersuchung bietet eine Fülle von Ergebnissen und Anregungen für die Entwicklung breiter technologischer Kompetenzen und eine reflektierte Umgangsweise mit Technik.

Die Publikation "Technische Bildung für alle. Ein vernachlässigtes Schlüsselelement der Innovationspolitik" Regina Buhr, Ernst A. Hartmann (Hg.), ISBN 978-3-89750-150-8 ist gegen eine Schutzgebühr von 6 € unter dem folgenden Link zu bestellen: www.iit-berlin.de/bestellung.

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