Der Ansatz, wie Schule gelingen könne, sei von Elternseite sicher ein anderer, als Lehrer dies sehen. Trotzdem sei die jüngste Breitseite der Landeselternbeiratsvorsitzende Christiane Staab gegen die Lehrerschaft nicht das, was Schule voranbringe, moniert der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Allgemeines Misstrauen und pauschale Vorwürfe seien die schlechteste Basis für gute Schulentwicklung.
Wenn der Landeselternbeirat (LEB) nun noch mehr Kontrolle der Lehrer fordert, könnten Lehrer versucht sein, andersherum auch mehr Kontrolle der Eltern fordern. Allzu oft würden von den Eltern lediglich die Lehrer als das Problem in den Schulen angesehen, die Rolle der Kinder und deren Eltern selber aber nicht hinterfragt. Heißt es doch im Artikel 6 des Grundgesetzes "Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht." Immer mehr Lehrer haben den Eindruck, dass die Erziehung der Kinder für etliche Erziehungsberechtigte heute ein absolutes Fremdwort ist - und nicht nur bei denen mit Migrationshintergrund. Der VBE-Sprecher weist wie die LEB-Vorsitzende bei den Lehrern darauf hin, dass die Tätigkeit der Eltern ebenso keiner regelmäßigen Kontrolle unterzogen wird. Auch Eltern seien zunehmend unfähig, mit kritischen Fragen von Lehrerseite umzugehen und sich zum Wohle der Kinder zu verändern.
Lehrer könnten sich gleichfalls Fragebogen an Eltern vorstellen, die evaluieren, ob Kinder nach einem ordentlichen Frühstück und mit einem gesunden Vesper zum Unterricht geschickt werden; ob Eltern kontrolliert haben, dass sich sämtliche benötigten Unterrichtsmaterialen und die Hausaufgaben im Schulranzen befinden; ob Kinder gewaschen und mit frischer Kleidung versehen zur Schule geschickt werden; ob mittags oder am Abend die Kinder über ihre Erlebnisse und Probleme berichten dürfen, ob sie einmal am Tag eine warme Mahlzeit erhalten, wann sie zu Bett geschickt werden und ob der Fernsehapparat im Kinderzimmer die ganze Nacht über laufen darf.
Jeder Lehrer unterliegt der Kontrolle durch den Schulleiter und die Schulaufsichtsbehörden. Bei Differenzen oder Unregelmäßigkeiten steht es Eltern frei, sich an die Dienstvorgesetzten zu wenden; manche werden sogar gleich beim Kultusminister vorstellig. Aus schlechten Erfahrungen mit einzelnen Lehrern jedoch zu einem Rundumschlag auszuholen und allen Lehrern mit Misstrauen zu begegnen sei nicht nur unfair, sondern demotivierend.
Auf diese Art und Weise könne man Schule nicht verbessern, unterstreicht der VBE-Sprecher. Die Selbst- und Fremdevaluation sei der richtige Weg, um Schulen qualitativ weiter zu entwickeln. Eltern und Lehrer sollten im Interesse der Schüler vertrauensvoll zusammenarbeiten und sich nicht per se mit abgrundtiefem Misstrauen begegnen.