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Berlin, 30.10.2008 -

"Für eine Schulkultur, die das Gelungene betont, auf eine positive Fehlerkultur setzt und auf heterogenen Lerngruppen basiert", sprach sich der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger auf der diesjährigen Fachtagung des Tutzinger Netzwerks für Schule und Lehrer aus. Eckinger warnte, die Ausrichtung der Schulen auf die Erfüllung von Bildungsstandards berge die Gefahr eines mehr und mehr technokratischen Umgangs mit der Schule in sich.

Eckinger sagte weiter: "KMK und alle Lehrerorganisationen haben sich vor zwei Jahren in einer gemeinsamen Erklärung darauf verständigt, in den Schulen das Lehr- und Lernprinzip des individuellen Förderns und Forderns umzusetzen. Das ist ein hoher pädagogischer Anspruch, der ohne die dafür notwendigen Gelingensbedingungen auf dem Papier stehen bleibt." Schülerinnen und Schüler würden unter einem permanenten Erwartungsdruck stehen, so Eckinger. Die Schule aber dürfe nicht die Pflicht zum Erfolg suggerieren und Ängste vor dem Versagen schüren. "Schule muss den Schülerinnen und Schülern Mut machen, sich auf die Suche nach Erkenntnis zu begeben, sich dem Zweifeln anheim zu geben und Fehler nicht fürchten zu müssen." Eckinger unterstrich, Schule sei ein Haus des Lernens und kein Hort abgestandenen Wissens, das fehlerfrei repetiert werden solle.

Die 9. Fachtagung des Tutzinger Netzwerks für Schule und Lehrer stand unter dem Motto: "Macht bloß keinen Fehler!". Roswitha Terlinden, Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Tutzing, betonte, der Fehler sei ein Motor für die Förderung von Lernprozessen. Er müsse produktiv in die Entwicklung einer neuen Lehr- und Lernkultur eingebunden werden.

Der Regensburger Erziehungswissenschaftler Heinz-Jürgen Ipfling, ebenfalls ein Gründungsmitglied des Netzwerks, erinnerte daran, Schülerinnen und Schüler würden in die Schule gehen, um das Richtige erst noch verstehen zu lernen. Dies sei geradezu die Bedingung für Schule.

Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), erneuerte seine Kritik an den bildungspolitischen Koalitionsvereinbarungen zwischen CSU und FDP. Die Einrichtung von Gelenkklassen würde nicht den großen Fehler ausräumen, dass Lehrerinnen und Lehrer in ein System gezwungen würden, Fehler zu sanktionieren. Er forderte eine längere gemeinsame Lernzeit, rhythmisierte Ganztagsschulen, damit Kinder mehr Zeit bekommen, sich angstfrei zu entwickeln.

Das Tutzinger Netzwerk für Schule und Lehrer wurde im Mai 2000 ins Leben gerufen und ist eine Kooperation zwischen VBE, dessen bayerischem Landesverband BLLV und der Evangelischen Akademie Tutzing. Es befördert den Dialog zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Schulleitungen, Eltern, Erziehungswissenschaftlern, Lehrerbildnern und Bildungspolitikern. ­

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