Bildungsgipfel: Ein Flop!
Ergebnisse der Blitzumfrage des Bildungsbarometers
Mehr zu: Bildungsgipfel, Deutschland, Statistik, Weiterbildung, Schule, Sonderthemen"Als Tiger gestartet und als Bettvorleger geendet" oder aber auch "Der Berg kreißte und gebar eine Maus" – waren Kommentare zum Bildungsgipfel am 22.10 2008 in Dresden. Wie aber denken die Betroffenen in der Bundesrepublik Deutschland über den Bildungsgipfel? Das Positive ist, dass die Menschen glauben, das der Bildungsgipfel notwendig war (96 Prozent). Das Negative: Nur 8 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Ergebnisse des Bildungsgipfels ein Meilenstein sind.
Die Menschen in der Bundesrepublik bewegt das Thema Bildung. Ganz oben steht aber die Forderung nach mehr Geld für die Bildung, gefolgt von Bildung für die Kleinen und gemeinsame Bildungsstandards. Der Bedeutung solcher Themen steht die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung gegenüber. Gemessen an der Bedeutung und der Wahrscheinlichkeit der Umsetzung werden am positivsten beurteilt die Themen Ausbau der Ganztagsangebote, ein Mehr an Betreuungsangeboten für Kleinkinder sowie ein Mehr an Akademikern.
Der Bildungsgipfel hat konkrete Themen vereinbart, die nachfolgend von einer Arbeitsgruppe angegangen werden sollen. Auch diese Themen waren Gegenstand der Befragung. Die Befragten sollten angeben, ob sie sich etwas Konkretes vorstellen können und ob sie eine Umsetzung des genannten Ziels in naher Zeit für möglich halten.
Ein Zentralabitur, das können sich ca. 81 Prozent der Befragten konkret vorstellen, nur ca. 46 Prozent gehen davon aus, dass dies in naher Zeit möglich sein wird. Ähnliches zeigt sich bei Sprachtests vor der Einschulung: 82 Prozent können sich darunter etwas vorstellen, die Realisierung sehen aber nur 45 Prozent. Ähnliches gilt für die Betreuung für Kinder unter drei Jahren: 73 Prozent haben davon eine Vorstellung, nur 20 Prozent glauben an eine zeitnahe Umsetzung. Auch hinsichtlich der Weiterbildung zeigen sich ähnliche Diskrepanzen: Unter Erleichterung der Weiterbildung können sich 61 Prozent etwas vorstellen, nur 26 Prozent glauben eine Umsetzung in time.
Die Bundeskanzlerin Merkel war mit der Notwendigkeit an die Öffentlichkeit getreten, Bildung zur Chefsache zu machen. Diese Aussage nehmen ihr das jetzt nur noch 31 Prozent ab. Und die Glaubwürdigkeit dieses Bildungsgipfels insgesamt wird kritisch hinterfragt, wenn 66 Prozent der Ansicht sind, dass die Ergebnisse des Gipfels als ein Sammelsurium längst beschlossener Maßnahmen angesehen werden.
Drei Stunden Zeit für das wichtigste Thema der Zukunft wird von 94 Prozent der Befragten als nicht ausreichend betrachtet und die Resignation unter den Befragten macht sich breit, wenn 82 Prozent davon ausgehen, dass sich an den Problemlagen in den Schulen in Deutschland nach dem Gipfel nichts ändert.
"Bund und Ländern hätten die gleiche Aufgabe wie bei der konzertierten Aktion zur Lösung der Finanzkrise gehabt. Diese Chance wurde vertan. Noch ist es an der Zeit, Bildung wirklich zur Chefsache zu machen. Wenn aber nicht bald reagiert wird, dann sind die Weichen falsch gestellt: Wir werden die Verwerfung in unserer Gesellschaft auf Grund fehlender Bildung und Qualifizierungen in einer globalisierten Welt deutlich zu spüren bekommen. Der volkswirtschaftliche Schaden – weiß man heute schon – wird immens sein. Das kann sich die Bundesrepublik Deutschland nicht leisten", so Prof. Dr. Reinhold Jäger, der Verantwortliche des Bildungsbarometers.
An dieser Blitzumfrage haben 2629 Personen teilgenommen, von denen 1538 die online-Befragung vollständig beantwortet haben.
Der vollständige Bericht zur Blitzbefragung ist unter dem folgenden Link abrufbar: www.vep-landau.de/Bildungsbarometer/Auswertung%20BiBa-Bildungsgipfel-10-2008-RS.pdf
Das Bildungsbarometer wird in Kooperation zwischen dem Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) und der Schülerhilfe (Gelsenkirchen) realisiert.
Die bisherigen Ergebnisse des Bildungsbarometers sind nachzulesen unter: http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer.htm
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