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VBE: Lehrer zu schulmeistern ist ein schlechter Brauch

Mehr zu: Baden-Württemberg, Elternarbeit, Grundschulempfehlung, Qualitätsstandards, Schulinspektion, Übertritt, Schule
Stuttgart, 08.11.2008 -

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht in offenen oder unterschwelligen Pauschalangriffen gegen die Lehrer ganz all­gemein kein Mittel der ersten Wahl, um bei Pädagogen einen Motivations­schub auszulösen oder gar die Unterrichtsqualität zu verbessern.

Ganz gleich, ob es sich um die die Benachteiligung von Ausländerkindern, die Treffsicherheit der Grundschulempfehlungen, um das rüpelhaften Benehmen Ju­gendlicher oder um das schlechtere Abschneiden der Schüler bei Vergleichstests handelt, stets konzentriert sich der Unmut der Öffentlichkeit auf die Pädagogen als die vermeintlichen Verursacher allen Übels. Auf diese Weise werde auch die motivierteste Lehrkraft auf Dauer demotiviert, stellt der VBE-Sprecher fest.

Ganz gleich, ob Politiker, Wirtschaftsbosse, Elternvertreter, Kommentatoren in der Presse oder Leserbriefschreiber ihre Wort-Keule auspacken und mit "Lust und Tücke" zum verbalen Rundumschlag gegen die "faulen Hunde" in der Schule ausholen, immer haben die Pädagogen die schlechteren Karten. Und wenn sie sich wehren, haben sie sowieso verloren. Wähnen sich doch alle Kriti­ker der Zustimmung breiter Bevölkerungskreise sicher, wenn sie es den "unfähi­gen Jammerlappen" so richtig zeigen, wenn sie erklären, wie Schule ihrer Mei­nung nach zu funktionieren habe.

Da jeder seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Schule gemacht hat, fühlen sich Berufene und Unberufene bemüßigt, als "Experten" ihre Meinung öffentlich zum Besten zu geben. "Was würden Bäcker, Metzger und Köche dazu sagen, wenn ihnen ständig jemand erklärte, wie sie die Brötchen zu backen, die Wurst zu würzen oder die Spätzle zu schaben haben?", fragt der VBE-Sprecher leicht resigniert. Lehrer zu schulmeistern sei hierzulan­de jedoch "guter" Brauch. Das mag in Bierlaune am Stammtisch verzeihlich sein; in der Öffentlichkeit sollten pauschale Verunglimpfungen vorher gut abge­wogen werden. Denn auf der einen Seite erwartet die Gesellschaft, dass die Schule alle Missstände aufgreift und möglichst rasch beseitigt, auf der anderen Seite traut man das den Lehrern im Grunde eigentlich gar nicht zu.

Selbstverständlich gebe es auch unter Pädagogen schwarze Schafe, räumt der VBE-Sprecher ein, die Mehrzahl der Lehrer erledige die vielfältigen Aufgaben jedoch mit Sachverstand, Engagement und selbst nach vielen Dienstjahren häu­fig noch mit Freude am Beruf. Das bestätigten Evaluationen an den Schulen.

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