Eine klare Absage erteilen die am 25.11.2008 verabschiedeten ´Schulpolitischen Leitlinien der CDU-Landtagsfraktion´ allen Strukturdebatten in der Schulpolitik. Unbeirrt hält die CDU an einem ausdifferenzierten, gewachsenen, lebendigen und zukunftsfähigen Schulsystem fest. Die Bekräftigung ´Wir brauchen wohnortnahe Schulen überschaubarer Größe mit möglichst kleinen Klassen´ ist richtig, muss aber in der schulpolitischen Praxis auch umgesetzt werden. Konsequent betont die Mehrheitsfraktion, dass es ´vor allem darauf ankommt, was im Klassenzimmer (...) geschieht´.
Grundsätzlich positiv wertet der Philologen-Verband das Plädoyer für einen umfassenden Bildungsbegriff. Insofern hat sicherlich eine verzerrte Wiedergabe von Ergebnissen nationaler und internationaler Studien mit dazu beigetragen, die Aufgabe der Schule nur durch die Brille der Vermittlung von Kernkompetenzen in wenigen Fächern zu sehen.
Die Beschränkung der schulpolitischen Vorgaben auf einen Schul- und Unterrichtsrahmen, der als staatlich vorgegebener Ordnungsrahmen verstanden werden muss, ist ebenfalls ein richtiger Akzent.
Kritisch allerdings sieht der nordrhein-westfälische Philologen-Verband die Ausführungen zum Leistungsverständnis. Hier vermittelt das Positionspapier den Eindruck, dass Lehrer, Eltern und Schüler für einen unverhältnismäßigen Leistungsdruck sorgen. Die Politik solle – so die CDU – ein ´Klima der Gelassenheit und des Vertrauens auf bewährtes Erfahrungswissen´ leisten.
Selbstkritisch muss sich die CDU fragen, ob nicht gerade sie mit einer Fülle von Reformprojekten in den letzten Jahren heftig dazu beigetragen hat, dass Schulen, Lehrer, Eltern und Schüler längst über ihre Belastungsgrenzen strapaziert worden sind.
"Es ist nicht redlich, den Eindruck zu erwecken, dass Sprachstandsfeststellungen, Zentrale Lernstandserhebungen, Zentrale 10er-Prüfungen und das Zentralabitur beispielsweise nicht auch einen hohen Leistungsdruck in Schulen hineingetragen haben. Die Verantwortung dafür darf die CDU nicht wegschieben!", äußert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.
"Die CDU hat die Chance, mit einer behutsameren und sensibleren Schulpolitik nun die Ruhe und Kontinuität in die pädagogische Schulpraxis einkehren zu lassen, die für eine gute Unterrichtsarbeit dringend erforderlich ist", mahnt Peter Silbernagel.
Als ein Zukunftsthema setzt die CDU darauf, dass der Beruf des Lehrers attraktiver werden muss. Seine öffentliche Wertschätzung solle erhöht werden. Auch hier tragen die schulpolitischen Leitlinien den deutlichen Charakter der Selbstverpflichtung. Denn all zu stark hat man die Leistungsbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen in den letzten Jahren ausgenutzt, ohne die entsprechende Anerkennung in Form von arbeitszeitlichen Entlastungen und finanziellen Anerkennungen auszudrücken.