Die Hauptschulen mit einem Federstrich ganz abzuschaffen, passe wohl nicht in das politische Konzept, vermutet der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Rudolf Karg. Deshalb werde man bei der Grundschulempfehlung künftig das Wort "Hauptschule" durch "Werkrealschule" ersetzen, die Hauptschule selber aber, die bisher nur an ganz wenigen Standorten zwei- oder mehrzügig war und somit nach neuestem Sprachgebrauch nun zur "vollwertigen Werkrealschule" mutieren dürfe, nicht generell abschaffen und einfach ohne Schüler weiterleben lassen.
Wenn es nach dem Willen der Landesregierung geht, wird in die Grundschulempfehlung für die Hauptschule zugunsten der Werkrealschulempfehlung ganz abgeschafft, die Hauptschule selber soll aber erst langfristig aufgelöst werden.
Da künftig nur zweizügige Hauptschulen sich Werkrealschule nennen dürfen, die Hauptschule aber noch nicht abgeschafft wird, existieren demnächst neben der Sonderschule, die Hauptschule, die Werkrealschule, die Realschule und das Gymnasium. Da aber Empfehlungen für die Hauptschule grundsätzlich nicht mehr ausgesprochen werden sollen, muss sich die Landesregierung die Frage der Hauptschullehrer gefallen lassen, woher diese bis zur endgültigen Abschaffung der ungeliebten Schulart ihre Schüler bekommen.
"Das Ganze sieht nach einem bildungspolitischen Eiertanz aus", spöttelt VBE-Chef Rudolf Karg, und sei mal wieder nichts Halbes und nichts Ganzes, sondern schlichtweg Augenwischerei. Hauptschulen dürfen sich schon seit 1994 Werkrealschulen nennen, wenn sie Zusatzunterricht ab Klasse 8 anbieten. Nicht alle führen aber über das 10. Schuljahr zum Werkrealschulabschluss, der der Mittleren Reife gleich gestellt ist. Auch die zweijährige Berufsfachschule oder eine mit entsprechenden Noten erfolgreich abgeschlossene Lehre berechtigen zum Weiterlernen, als ob man die Mittlere Reife an der Realschule erworben hätte. Die bunte Vielfalt wird jetzt um einen weiteren Baustein ergänzt. Der Hauptschule selber verpasst man aber die letzte Ölung und gibt sie nun völlig auf, ohne es jedoch offen zuzugeben.