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KMK setzt Hauptschulen auf Abstellgleis

Herabsetzung der Hauptschul-Bildungsstandards ist falsches Signal

Mehr zu: Bildungsstandards, Hauptschule, Nordrhein-Westfalen, Schule
Düsseldorf, 04.12.2008 -

Die Kultusministerkonferenz will die Testverfahren zu Erhebung der Hauptschul-Bildungsstandards aussetzen, um die Bildungsstandards zu überarbeiten und danach herabzusetzen. "Im Sinne von Schulqualität wäre das eine katastrophale Entwicklung", erklärt dazu die Vorsitzende des Realschullehrerverbandes NRW, Brigitte Balbach. "Eine Absenkung der Bildungsstandards würde die Hauptschulen isolieren. Eine Vergleichbarkeit wäre nicht mehr gegeben. Es ist wünschenswert und absolut erforderlich, dass möglichst alle Absolventen eines Jahrgangs einen Abschluss machen können. Wenn dies aber auf Kosten der Qualität geht, wird Bildungspolitik unglaubwürdig", so Balbach.

Hauptschüler brauchen kein Light-Produkt, sondern einen qualifizierten Abschluss. Um den zu bekommen, müssen sie entsprechend gefördert und die Hauptschulen entsprechend ausgestattet werden. Dies ist in NRW unter roten bzw. rot-grünen Landesregierungen jahrzehntelang versäumt worden. Die nun von der aktuellen Landesregierung im Zuge ihrer Hauptschul-Offensive eingeleiteten Schritte weisen in die richtige Richtung. Die von Einheitsschul-Ideologen gern in Grund und Boden geredete Hauptschule kann eine starke Schule sein. Dazu braucht sie eine faire Chance.

Doch diese Chance will die Kultusministerkonferenz den Hauptschulen offenbar nehmen. "Unser Schulsystem braucht eine starke Hauptschule. Und eine starke Hauptschule muss sich auch mit den anderen Schulformen messen lassen dürfen. Nur so werden Fortschritte erkennbar und Lern-Anreize geschaffen. Wir brauchen eine Vergleichbarkeit der schulischen Leistungen sowohl im nationalen wie auch im internationalen Rahmen", betont Balbach. "Wir erwarten daher von NRW-Schulministerin Barbara Sommer ein klares Zeichen gegen diese KMK-Absurditäten."

Es ist richtig, dass die KMK den Übertritt von der Grundschule in die weiterführenden Schulen erleichtern will. Damit sich Unterschiede im Leistungsniveau sowie in der sozialen und ethnischen Herkunft nicht verstärken, bedarf es allerdings nicht eines längeren gemeinsamen Lernens, wie dies Einheitsschul-Verfechter gern suggerieren. Denn das würde besagte Unterschiede nicht nivellieren, sondern bestenfalls kaschieren und später umso stärker hervortreten lassen. Die Trennung nach der vierten Klasse ermöglicht insofern eine frühzeitig einsetzende schüler- und schulspezifische Förderung. Erforderlich sind dafür aus Sicht des RLV keine Schulstruktur-Experimente, sondern kleinere Klassen, eine intensive Förderung und mehr Lehrer mit Migrationshintergrund.

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