Neue Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße auf den Weg gebracht
Mehr zu: Brandenburg, Europa, Nachhaltigkeit, Politische Bildung, Stiftungen, SonderthemenIn Potsdam ist heute die Errichtung der neuen Stiftung "Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße" auf den Weg gebracht worden. Sie wird künftig als nichtrechtsfähige Stiftung von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG) treuhänderisch verwaltet. Stifter ist der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein (EKH), der als Eigentümer das nach 1945 vom sowjetischen Militärgeheimdienst als Gefängnis genutzte Gebäude sowie den 2008 fertig gestellten Neubau eines Besucherzentrums in die neue Stiftung einbringt.
Das entsprechende Stiftungsgeschäft wurde am Nachmittag vom Vorsitzenden des EKH, Pfarrer Reinhart Lange, dem Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Prof. Dr. Günter Morsch, Brandenburgs Kulturministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und der Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, unterschrieben. Zudem unterzeichneten die Brandenburgische Gedenkstättenstiftung und der EKH den Treuhandvertrag.
In dem ehemaligen Pfarrhaus des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins in der Leistikowstraße 1 befand sich von 1946 bis in die 50er Jahre das zentrale Untersuchungsgefängnis der militärischen Spionageabwehr der Sowjetunion "Smersch" in der sowjetisch besetzten Zone und in der DDR. Hier waren neben Sowjetbürgern zahlreiche deutsche Zivilisten inhaftiert, die nach bisherigem Kenntnisstand unter dem meist unbegründeten Vorwurf "konterrevolutionärer Verbrechen" verhaftet worden waren und zum Teil brutalen Verhören unterworfen wurden. In allen bekannten Fällen wurde Anklage vor einem sowjetischen Militärtribunal erhoben. Die nichtöffentlichen Verfahren endeten mit Todesstrafen oder Freiheitsstrafen nicht unter zehn und vielfach bei 25 Jahren Arbeitslager. Viele der Verurteilten wurden anschließend entweder direkt oder über ein sowjetisches Speziallager in die Sowjetunion verschleppt. Nach den bisherigen Erkenntnissen befand sich der letzte Deutsche 1953 im Untersuchungsgewahrsam der militärischen Spionageabwehr. Doch auch danach bis vermutlich Mitte der 1980er Jahre wurde das Haus als Gefängnis nun für sowjetische Militärangehörige weiter genutzt.
Die Kosten für die denkmalgerechte Sanierung des historischen Gebäudes und den Neubau beliefen sich auf rund 2,3 Mio. Euro. Die Mittel stammen von Bund, Land, EU, EKH sowie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Brandenburg.
Zweck der neuen Stiftung ist es, an das im ehemaligen Gefängnis des sowjetischen Militärgeheimdienstes geschehene Unrecht und an die Opfer zu erinnern. Das Haus soll als Gedenk- und Begegnungsstätte für die politische Bildung und die Förderung des demokratischen Staatswesens genutzt werden. Aufgabe der Stiftung ist es darüber hinaus, die Geschichte des Hauses und seine Einbindung in das System der Unterdrückung, vor allem durch die politische Justiz, zu erforschen und die Öffentlichkeit durch Führungen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu informieren und einen besonderen Beitrag zu einer auf Frieden und Versöhnung ausgerichteten gesellschaftlichen Bildungsarbeit zu leisten.
Die Treuhandstiftung wird zu je 50 Prozent vom Land Brandenburg und vom Bund finanziert. Nachdem das historische Gebäude bereits saniert wurde, stehen jetzt rund 750.000 Euro aus Mitteln des Landes und des Bundes für die Schaffung einer Ausstellung bereit.
Der Vorsitzende des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins, Pfarrer Reinhart Lange betonte: "Sehr geehrter Herr Prof. Morsch, heute übergeben wir Ihnen als Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße 1, einen Ort von nationaler Bedeutung und europäischer Ausstrahlung, zu treuen Händen."
Brandenburgs Kulturministerin Prof. Dr. Johanna Wanka sagte: "Ich freue mich, dass wir das Vorhaben an diesem geschichtsträchtigen Ort realisieren konnten, nicht zuletzt mit Blick auf die Opfer und Ihre Angehörigen sowie die Überlebenden."
BKM-Abteilungsleiterin Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel: "Die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße ist im Rahmen der Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption neu in die institutionelle Förderung des Bundes aufgenommen worden. Sie hat nationale Bedeutung, weil sie als einzig authentisch erhaltener Haftort das brutale Regime des sowjetischen Militärgeheimdienstes in der Sowjetischen Besatzungszone und in der späteren DDR umfassend dokumentiert. Der Bund wird sich deshalb über seine umfangreiche Projektförderung der letzten Jahre hinaus ab 2009 auch institutionell für die Gedenkstätte Leistikowstraße engagieren."
Gedenkstätten-Direktor Prof. Dr. Günter Morsch unterstrich: "Für uns geht es jetzt zunächst darum, in den Gebäuden der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße eine aktive Gedenkstätte aufzubauen. Wir wollen das Haus möglichst bald für Besucher öffnen und einen provisorischen Führungsbetrieb in dem ja noch leeren ehemaligen Gefängnisgebäude organisieren. Gleichzeitig gilt es, die Personalstellen zu besetzen. Die zentrale Aufgabe der Leitung wird es sein, eine Ausstellung zu erarbeiten, die die Geschichte des zentralen Untersuchungsgefängnisses des sowjetischen Militärgeheimdienstes und der Menschen, die hier gelitten haben, erzählt."
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