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GEW: "Schaulaufen der Bundesländer ist überflüssig - wir wollen Taten sehen!"

Bildungsgewerkschaft zur IGLU-E-Studie

Mehr zu: Bildungschancen, Deutschland, Föderalismus, Förderunterricht, Grundschule, IGLU-Studie, Individuelle Förderung, Lesekompetenz, TIMSS (Studie), Schule
Frankfurt am Main / Berlin, 09.12.2008 -

"Das Schaulaufen der Bundesländer mitsamt den Rankinglisten ist überflüssig: Die Leseleistungen der Grundschulkinder in Deutschland sind gut", sagte Marianne Demmer, Leiterin des Vorstandsbereichs Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und stellvertretende Vorsitzende, mit Blick auf den IGLU-Bundesländervergleich, der heute in Berlin vorgestellt worden ist. Die Studie habe "keine neuen Erkenntnisse" gebracht. "Statt immer neuer Daten wollen wir endlich Taten sehen: mehr Mittel und Personal für die individuelle Förderung der Schüler und eine große Schulreform. Die frühe Aufteilung zehnjähriger Kinder in unterschiedliche Schulformen muss endlich aufhören. Die jungen Leute müssen bis zum Ende der Pflichtschulzeit miteinander und voneinander lernen können. Wie erfolgreich das sein kann, machen die Grundschulen vor!"

Empört zeigte sich die Gewerkschafterin darüber, dass die Untersuchung den "großen Makel" der Grundschule, die sozial höchst ungerechten Schüler-Empfehlungen für die weiter führenden Schulen in Klasse vier, ausspare. Sie verlangte von der Kultusministerkonferenz (KMK), ihre "Vogel-Strauß-Politik" zu beenden. Dieser Schwachpunkt des deutschen Schulsystems müsse offen gelegt und dürfe nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften versteckt werden. "Arbeiterkinder", betonte Demmer, "müssen Super-Schüler sein, damit Lehrkräfte und Eltern ihnen zutrauen, das Abitur zu schaffen. Bei Akademikerkindern reichen durchschnittliche Leistungen." Für eine Gymnasialempfehlung müssten - aus Lehrersicht - Kinder aus Arbeiterfamilien bei der Lesekompetenz im Schnitt rund 70 Punkte mehr erreichen als Mädchen und Jungen aus Akademikerhaushalten. Arbeitereltern trauten sich erst, ihre Kinder zum Gymnasium zu schicken, wenn diese ungefähr 100 Punkte mehr erreichen als der Akademikernachwuchs, also einen Vorsprung von ungefähr zwei Schuljahren haben. Das hatte die IGLU-Studie 2006 gezeigt. Diese Ergebnisse seien nicht den Lehrern anzukreiden, sagte Demmer. Bei den Übergangsempfehlungen müssten diese auch Prognosen über den voraussichtlichen Schulerfolg abgeben. Bei Akademikerkindern könnten dabei die Nachhilfestunden quasi eingeplant werden, Arbeiterkinder müssten hingegen ohne individuelle Förderung klar kommen.

IGLU-E biete kaum neue Informationen, unterstrich Demmer. Dass Deutschlands Grundschulen bei den Leseleistungen das Zeug hätten, in der Weltspitze mitzuspielen, der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen nicht sehr groß sei, der Anteil sog. Risikoschüler mit schwachen Leseleistungen nur halb so groß sei wie später bei den 15-jährigen, die Kinder aus Migrationsfamilien sowie bildungsarmen Haushalten stärker gefördert werden müssten und die Stadtstaaten schwächer abschnitten, sei hinlänglich bekannt. "Für diese Erkenntnisse muss man kein Geld ausgeben", sagte die Vize-Vorsitzende. "Die internationalen Vergleiche sind wichtig für den Blick über den Tellerrand. Innerhalb Deutschlands sollten die Politiker jedoch aufhören, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Aussagekräftige Informationen über die Wirksamkeit von Politik erhalten sie nur mit gezielten Untersuchungen, die beispielsweise Regionen mit ähnlicher sozioökonomischer Lage vergleichen, etwa Großstädte mit Großstädten."

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