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Gute Ergebnisse für Deutschland, gute Ergebnisse für Schleswig-Holstein

Bildungsministerin Erdsiek-Rave zur Grundschul-Leseuntersuchung IGLU:

Mehr zu: Deutschland, Föderalismus, Grundschule, IGLU-Studie, Lesekompetenz, Schleswig-Holstein, Schulgesetz, Sprachförderung, TIMSS (Studie), Schule
Kiel, 09.12.2008 -

Die Leseleistungen der schleswig-holsteinischen Grundschülerinnen und Grundschüler liegen im deutschen Ländervergleich im Mittelfeld auf hohem internationalen Niveau. Das geht aus den Ergebnissen der internationalen Grundschul-Leseuntersuchung IGLU 2006 hervor. "Die langjährigen Anstrengungen in den Grundschulen und die engagierte Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer tragen Früchte. Die Ergebnisse sind jedoch kein Anlass, in den Anstrengungen nachzulassen", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (9. Dezember) zur Veröffentlichung der IGLU-Studie. In Schleswig-Holstein gelinge es, die Schülerinnen und Schüler auf einem guten Leseniveau so zu fördern, dass die Leistungsunterschiede zwischen ihnen vergleichweise gering ausfallen.

"Damit sind die Grundschulen ein gutes Beispiel dafür, wie trotz unterschiedlicher Lernvoraussetzungen alle Schülerinnen und Schüler durch individuelle und differenzierte Lernangebote gefördert werden können", so die Ministerin weiter. Mit der inzwischen landesweit etablierten Verlässlichen Grundschule, der bis zu dreijährigen Eingangsphase sowie der flächendeckenden Einführung von vorschulischen Sprachintensivkursen (SPRINT) habe Schleswig-Holstein wichtige Impulse gesetzt. Das Prinzip des gemeinsamen Lernens und der individuellen Förderung werde durch das neue Schulgesetz nun auch in den weiterführenden Schulen konsequent fortgesetzt.

Erdsiek-Rave betonte, dass das Land die Leseförderung in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut habe und sie inzwischen fest in den Schulen verankert sei. Dazu gehörten Lesetagebücher, gezielte vorschulische und schulische Sprachförderung, Lesewettbewerbe aber auch die Kooperation mit Bibliotheken und Büchereien bis hin zum Aufbau weiterer Schulbüchereien und die Zusammenarbeit mit Zeitungsverlagen. "Lesen fördert auch die Lernfähigkeit insgesamt und hat eine herausragende Bedeutung für den gesamten Bildungs- und Lebensweg." Um die gute Arbeit der Grundschulen auch nach der 4. Klasse fortzusetzen, werde die Leseförderung auch in den weiterführenden Schulen weiter intensiviert und das erfolgreiche Leseförderprojekt "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" ab dem Schuljahr 2009/10 auf alle Schulen mit Ausnahme des Gymnasiums ausgeweitet.

Im IGLU-Ländervergleich 2006 lag Schleswig-Holstein mit 544 Punkten auf hohem internationalen Leistungsniveau gemeinsam mit 12 weiteren Bundesländern im Bereich des deutschen Mittelwerts. Dabei sind die Abstände dieser Länder zum deutschen Mittelwert so gering, dass sich nach Aussagen der Bildungsforscher daraus keine echte Rangfolge von Ländern errechnen lässt. "Wir liegen deutlich über dem Durchschnitt der beteiligten EU- und der OECD-Staaten. Nur Thüringen als Spitzenreiter hat eine deutlich höhere Punktzahl erreicht", sagte Erdsiek-Rave. Erfreulich sei, dass in Schleswig-Holstein im internationalen Vergleich viele Schülerinnen und Schüler die höchste Kompetenzstufe (10,5 Prozent) erreicht hätten. Der Anteil der Leistungsschwachen sei dagegen relativ gering (13,2 Prozent). "Zudem haben viele Kinder in der Grundschule Freude am Lesen. Nur jedes siebte Kind gab an, außerhalb des Unterrichts nie oder fast nie zu lesen. Erfreulich ist auch, dass die Abstände zwischen Mädchen und Jungen in den Leseleistungen sehr gering sind."

Die IGLU-Studie zeigt nach Ansicht der Ministerin aber auch deutlich, an welchen Stellen es noch Verbesserungsbedarf gibt. "Die Leseleistung ist gerade in Schleswig-Holstein noch zu sehr abhängig von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler." IGLU zufolge betrug der Leistungsvorsprung im Leseverständnis von Kindern aus Familien mit mehr als 100 Büchern gegenüber denen aus Familien mit weniger als 100 Büchern für Schleswig-Holstein 50 Punkte und lag damit sowohl dem deutschen als auch dem OECD- Durchschnitt (40 Punkte bzw. 35 Punkte).

Dagegen war die Leistungsdifferenz zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in Schleswig-Holstein mit 35 Punkten deutlich geringer als im bundesweiten Durchschnitt (48 Punkte). "Hier trägt unser Sprachförderkonzept erste Früchte. Um für mehr Chancengleichheit zu sorgen, müssen wir aber nach wie vor gerade Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern und aus Migrantenfamilien noch gezielter fördern."

Mit der internationalen Studie IGLU (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) wird alle fünf Jahre das Leseverständnis der Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschulzeit unter den Aspekten Verstehensprozess und Leseintention erfasst. Durch eine Befragung von Lehrkräften, Eltern, Schulleiterinnen und Schulleitern werden dabei auch die familiären, schulischen und sozialen Bedingungen des Lernens einbezogen.

Die wichtigsten Ergebnisse von IGLU 2006 im Überblick

Leseleistungen im internationalen Vergleich: Es gelingt allen Ländern, die Lesekompetenzen der Grundschülerinnen und Grundschüler bis zum Ende der vierten Jahrgangsstufe auf ein Leistungsniveau zu bringen, das im internationalen Vergleich sehr gut bestehen kann. 14 von 16 Ländern liegen über dem EU- und über dem OECD-Mittelwert. Davon gehört ein Land (TH) zur absoluten internationalen Spitzengruppe. Gleichzeitig gelingt es den Ländern, die Leistungsstreuung vergleichsweise gering zu halten.

Anteil schwacher und starker Leserinnen und Leser: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit großen Leseschwierigkeiten sowie von Spitzenlesern schwankt zwischen den Ländern erheblich. Während es einigen Länder gelingt, die Gruppe der schwachen Leserinnen und Leser unter 10 % zu halten, liegt dieser Anteil in den Stadtstaaten deutlich über 20 %. Der Anteil der Spitzenleser liegt in der Mehrzahl der Länder unter 10 %.

Einstellung zum Lesen: In fast allen Ländern haben die Viertklässlerinnen und Viertklässler eine sehr positive Einstellung zum Lesen; nur 14 % geben an, außerhalb der Schule nie oder fast nie zum Vergnügen zu lesen.

Leseleistungen von Mädchen und Jungen: Zwischen Jungen und Mädchen zeigen sich in den meisten Ländern keine nennenswerten Unterschiede in den Leseleistungen.

Migrationsbedingte Unterschiede: Die Leistungsdifferenz zwischen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern beide in Deutschland geboren wurden, und denen, deren Eltern beide nicht in Deutschland geboren wurden, sind im internationalen Vergleich in der Mehrzahl der Länder sehr groß. Einfluss des Elternhauses: Der kulturelle Hintergrund des Elternhauses beeinflusst in allen Ländern die Leseleistungen der Schülerinnen und Schüler in einem hohen Maße; davon sind die Stadtstaaten in besonderer Weise betroffen.

Anlage (PDF): Hintergrund-Information "Wie die Grundschule fördert"

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