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Deutscher Philologenverband zu den Ergebnissen von IGLU und TIMSS: Mehr Gelassenheit statt Aufgeregtheit im Umgang mit Schulleistungsvergleichen!

Meidinger: "Positive Aufwärtsentwicklung deutscher Schülerinnen und Schüler setzt sich über PISA 2006 zu TIMSS und IGLU 2006 fort!"

Mehr zu: Deutschland, Grundschule, IGLU-Studie, Leistungsdruck, Lesekompetenz, Primarschule, TIMSS (Studie), Schule
Berlin, 09.12.2008 -

Als Erfolg für die in Deutschland begonnenen bundesweiten Maßnahmen zur Frühförderung und für die im Grundschulbereich eingeführten Bildungsstandards hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, das nochmals verbesserte Abschneiden deutscher Grundschüler bei den internationalen Studien TIMSS und IGLU bezeichnet. Damit gehöre Deutschland im Grundschulbereich wie schon zuvor bei PISA zu der kleineren Gruppe von Ländern, die sich im Vergleich zu den Vorstudien relativ und in absoluten Punktzahlen verbessern konnten. Ebenso wie die 15-Jährigen bei PISA 2006 (Naturwissenschaften) haben sich die deutschen Grundschüler im besseren Leistungsviertel platzieren können.

Hinsichtlich des innerdeutschen Leistungsvergleichs bei IGLU 2006 (Lesen) begrüßte es Meidinger, dass sich mit Thüringen und Bayern wieder Bundesländer ganz vorne platzieren konnten, die in der Grundschule seit Jahren kindgerechte, aber doch auch standardbezogene Leistungsförderung betreiben.

Immer noch als besorgniserregend bezeichnete es der DPhV-Vorsitzende, dass nach wie vor bereits bei den Grundschülern ein zu enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg bestehe. "Nur durch einen verstärkten Ausbau von Sprachfrühförderungs-Maßnahmen und mehr Ganztagseinrichtungen an Grundschulen kann hier dauerhaft mit Erfolg gegengesteuert werden", sagte Meidinger

Keinerlei Vorteile für sechsjährige Grundschule

Eine Absage erteilte der DPhV-Vorsitzende allen Bestrebungen, aus den IGLU- und TIMSS-Ergebnissen weitreichende bildungspolitische Konsequenzen etwa in Richtung eines längeren gemeinsamen Lernens abzuleiten.

Meidinger betonte: "Solche Schlussfolgerungen sind nicht nur durch keine aktuellen Daten gedeckt, sondern geradezu abenteuerlich. Wenn beispielsweise Sachsen sich bei den 15-Jährigen im Bereich Naturwissenschaften mit einer vierjährigen Grundschulzeit direkt hinter Finnland zu platzieren vermag, kann wohl niemand behaupten, dass das gegliederte, frühzeitig differenziernde Schulwesen international nicht konkurrenzfähig ist. Umgekehrt zeigt das relativ bescheidene Abschneiden der beiden Bundesländer mit sechsjähriger Grundschulzeit, Berlin und Brandenburg sowohl beim innerdeutschen IGLU-Vergleich als auch beim PISA-Vergleich, dass eine längere Grundschule nicht automatisch zu besseren Leistungen führt. Eher im Gegenteil."

Der Verbandschef plädierte für mehr Gelassenheit und weniger Aufgeregtheit im Umgang mit internationalen Schulleistungsvergleichen. Man solle sich auch nicht überall unreflektiert an der jeweiligen internationalen Leistungsspitze orientieren. Beispielsweise rangierten bei der TIMSS-Grundschulstudie mit Singapur, Taiwan, Hongkong und Japan Länder ganz vorne, die bereits in der Primarschule sehr stark auf Drill und Leistungsdruck setzen. "Wollen wir ein solches Schulsystem wirklich kopieren?", fragte Meidinger.

Insgesamt trat der DPHV-Vorsitzende dafür ein, die in den letzten Jahren erarbeiteten Bildungsstandards im Grundschulsektor konsequent in die Lehrpläne zu implementieren, um das Leistungsniveau langfristig zu verbessern. Leider sei dies noch nicht in allen Bundesländern erfolgt.

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