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Staatsminister Jürgen Banzer: IGLU wie auch TIMSS-Ergebnisse bedürfen der sorgfältigen Analyse

Minister kündigt zum kommenden Schuljahr Verbesserungen an: Grundschulen erhalten 2009 kleinere Klassen, mehr Förderunterricht und selbstständige Entscheidung über Klassenzusammenlegung

Mehr zu: Bildungsbericht, Hessen, IGLU-Studie, Lernstandserhebung, Leseförderung, PISA (Studie), Schulsozialarbeit, Schulträger, Sprachförderung, Stundentafel, TIMSS (Studie), VERA (Studie), Vergleichsarbeiten, Schule
Wiesbaden, 09.12.2008 -

Dass sich die bei TIMSS getesteten Kompetenzen deutscher Schüler im Bereich der Mathematik und der Naturwissenschaften im oberen Mittelfeld der 40 getesteten OECD-Staaten befinden, ist ein ermutigendes Signal. Ähnliches gilt für das im Rahmen der IGLU Studie getestete Leseleistungsvermögen hessischer Grundschüler, das auf dem Niveau des EU- und OECD-Durchschnitts liegt. An dieser Stelle gilt es, den Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern ausdrücklich für ihr Engagement zu danken. Wir müssen uns nun in aller Sorgfalt die Ergebnisse anschauen und genauestens analysieren, was es zu verbessern gilt. Ungeachtet dieser noch ausstehenden Analyse, werde ich dafür Sorge tragen, dass die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Grundschulen, so wie ich es bereits im Sommer angekündigt habe, spürbar verbessert werden können.

„Wir werden ab dem nächsten Schuljahr 2009/10 die Schülerzahl in den Eingangsklassen der Grundschulen auf 25 reduzieren. Damit ziehen wir einen Schlussstrich unter die Schritt für Schritt zur Regel gewordene Klassenbildung auf der Grundlage von 28 Schülern. Wir werden weiterhin das zur Verfügung stehende Unterrichtsvolumen zur Förderung und Differenzierung in den Grundschulen auf eine Stunde pro Klasse anheben. Als dritter Punkt ist mit Blick auf die Erfahrungen der letzten Monate angezeigt, dass die Grundschulen bei Überschreitung des Klassenteilers aus der Sicht ihrer pädagogischen Alltagspraxis selbst über die Zusammenlegung von Klassen entscheiden können“, erklärte Staatsminister Jürgen Banzer anlässlich der offiziellen Vorstellung der Schulleistungsstudien IGLU und TIMSS. Zudem werde er in der nächsten Zeit mit den Schulträgern Gespräche über den Einsatz von Schulsozialarbeit führen, um die Fortschritte bei der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu verbessern.

Er gehe davon aus, dass diese ersten Schritte, denen noch weitere auch in anderen Schulformen bzw. Bildungsgängen, folgen müssten, die noch ausstehenden Schlussfolgerungen aus IGLU und TIMSS wirksam unterstützten. „Meiner Einschätzung nach haben wir insbesondere in den Handlungsfeldern Selbstständigkeit und Entlastung für den pädagogischen Alltag eine Bringschuld gegenüber unseren Schulen. Diese Bereiche sind zentral für den Unterricht genauso wie für die Weiterentwicklung der Schulen. Dabei nehmen Grundschulen mit ihrer Grundlagenarbeit für die Bildungswege von Schülerinnen und Schülern eine herausragende Bedeutung ein“, stellte Jürgen Banzer fest. Was den Umgang mit den Schulleistungsstudien angehe, werbe er sowohl um Sensibilität als auch um Sachlichkeit. Die medial mit großem Echo begleiteten Studien sollten nicht dazu verleiten, undifferenzierte Generalforderungen zu stellen. Man müsse immer klar sehen, dass PISA, TIMSS oder IGLU keinerlei Rückschluss auf die ganze Bandbreite schulischer Arbeit zuließen. Hier würden ganz gezielt Ausschnitte unter die Lupe genommen.

Dieser Aspekt werde auch deutlich, wenn man sich die Zusammensetzung der Zufallsstichprobe für die IGLU-Studie anschaue. Zu den tatsächlich durchschnittlich etwa 30 % Kindern mit Migrationshintergrund in hessischen Schulklassen seien in der Zufallsstichprobe für die Studie nur in Hessen mehr als 40 % Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund enthalten. Es werde deutlich, dass die Stichprobe nur mit deutlichen Einschränkungen den tatsächlichen Leistungsdurchschnitt in den hessischen Grundschulen widergebe. Klar, dass Kinder mit Migrationshintergrund besonderer Förderung und Begleitung bedürften. „An dieser Stelle werde ich in den nächsten Monaten ein besonderes Augenmerk im Gespräch mit Kommunen und Schulen darauf legen, dass wir hier weitere Fortschritte erzielen werden. Insgesamt konnten bei dieser Studie noch nicht die sicherlich positiven Aspekte unserer vorschulischen Maßnahmen zur Sprachförderung (Vorlaufkurse) und der Bildungs- und Erziehungsplan von 0-10 Jahren ihre volle Wirkung entfalten. Beides müssen wir massiv vorantreiben. Nur so können wir gerade Kindern mit Migrationshintergrund bessere Startchancen ermöglichen.“, erklärte Jürgen Banzer.

„Insgesamt warne ich nachdrücklich davor, die Arbeit der Schulen, der Lehrkräfte oder gar Leistungen von Schülern schlecht zu reden. Unsere Schulen, Lehrkräfte leisten Beachtliches und vieles, für das ihnen Dank und Respekt gebührt, findet bei den Schulleistungsstudien keine Berücksichtigung“, so der Minister. In diesem Zusammenhang verwies der Minister auf die Reformen, die Hessen in den letzten fünf Jahren an hessischen Grundschulen initiiert habe und die es nunmehr auf den Prüfstand zu stellen gelte: die Vorverlegung der Schulanmeldung – verbunden mit der Einführung eines Sprachstandserhebung und der Einrichtung von Deutsch-Vorlaufkursen als erstes Bundesland im Jahr 2002; den konsequenten Ausbau von Betreuungsangeboten für mittlerweile rund 90 Prozent der Grundschulen; die Erhöhung der Stundentafel in der Grundschule um fünf Stunden zur Stärkung des Deutsch- und Fremdsprachenunterrichts; die vielfältigen Maßnahmen zur Leseförderung, die Ausweitung des Modellprogramms SINUS-Transfer für die Grundschulen zur Verbesserung des naturwissenschaftlichen und mathematischen Unterrichts und die Initiativen zur Leseförderung.

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