"Das gymnasiale Lehramtsstudium wird zukünftig noch stärker auf die Anforderungen der schulischen Praxis ausgerichtet. Dazu gehört auch ein durchgehendes Konzept der Berufsorientierung. Es soll helfen, geeignete Personen für den Lehrerberuf zu gewinnen", sagten Kultusminister Helmut Rau und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg am Mittwoch (17. Dezember) in Stuttgart. Am Wochenanfang hatte der Ministerrat einen Zwischenstandsbericht zur Reform der gymnasialen Lehrerausbildung gebilligt. Neben dem stärkeren Praxisbezug sind eine durchgehende Modularisierung sowie die Einführung von ECTS-Punkten vorgesehen. Die neu strukturierte Lehrerausbildung soll an den Universitäten des Landes ab dem Wintersemester 2010/11 eingeführt werden.
Zulassungsvoraussetzung zum Studium ist der Nachweis, dass ein Orientierungstest für angehende Lehramtsstudierende absolviert wurde. Der Test dient der Selbstorientierung und Selbsteinschätzung.
Zudem ist ein zweiwöchiges Orientierungspraktikum in der Schule verbindlich vorgeschrieben. Hier soll in strukturierter Form ein persönlicher Abwägungsprozess über die Eignung für das Studium und den Lehrerberuf angeregt werden. In der Mitte des Studiums, möglichst im 5. Semester, wird das 13wöchige Schulpraxissemester absolviert. Es muss künftig bestanden werden. Neu eingefügt in das Studium werden Module zur Weiterentwicklung personaler Kompetenzen für den Lehrerberuf. Zu diesen Kompetenzen zählen beispielsweise Kommunikation- und Teamfähigkeit, Zeitmanagement, Umgang mit Belastungen, Beziehungsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz. Eine weitere Neuerung bezieht sich auf das Fach Politikwissenschaft. Es wird weiterentwickelt zum Fach Politikwissenschaft / Wirtschaftswissenschaft. Völlig neu eingerichtet wird das Studienfach Naturwissenschaft und Technik. Das gleichnamige Schulfach wurde flächendeckend im Schuljahr 2007/08 eingeführt. Die Hauptelemente der Reform des gymnasialen Lehramtsstudiums von 2001 bleiben erhalten. Dies gilt für das Schulpraxissemester ebenso wie für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium und die Erziehungswissenschaft. Der Anteil der Fachdidaktik wird künftig erhöht.
Das Studium zum gymnasialen Lehramt erstreckt sich wie bisher über eine Regelstudienzeit von zehn Semestern. Dies entspricht 300 ECTS-Punkten. Es umfasst zwei Fachwissenschaften und Bildungswissenschaften und endet mit der Ersten Staatsprüfung. Deren Gesamtnote setzt sich künftig aus den Ergebnissen der akademischen Modulprüfungen und den Noten abschließender mündlicher Prüfungen in den Fächern im Verhältnis von etwa 70:30 zusammen. An das Studium schließt sich wie bisher ein Vorbereitungsdienst mit dem Zweiten Staatsexamen an, der in der Verantwortung der Staatlichen Seminare liegt.