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Anspruchsvolle Fachausbildung muss auch künftig den Schwerpunkt des gymnasialen Lehramtsstudiums bilden

"Ja" zu Orientierungstests, aber nur mit einhergehender Beratung - "Rote Karte" beim Praxissemester lehnt der Philologenverband ab - Weitere Zunahme der Belastung an Gymnasien befürchtet

Mehr zu: Baden-Württemberg, Gymnasium, Lehrerbildung, Praktikum, Vorbereitungsdienst, Schule
Stuttgart, 18.12.2008 -

"Grundsätzlich muss ein Lehramtsstudium auf einem festen Sockel fundierter fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Grundausbildung stehen, denn Souveränität und Anerkennung als Lehrerpersönlichkeit hängen nicht zuletzt sehr stark von einer ausgeprägten fachlichen Qualifikation ab. Das Fach und die Vermittlung fachlicher Inhalte müssen daher nach wie vor im Zentrum der gymnasialen Lehrerausbildung stehen", so der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg, Bernd Saur, zu der von Kultusminister Rau und Wissenschaftsminister Frankenberg vorgestellten Reform des gymnasialen Lehramtsstudiums.

Der Philologenverband begrüßt die Einführung eines Orientierungstests für angehende Lehramtsstudierende, damit diese besser einschätzen können, ob sie für den angestrebten Lehrerberuf geeignet und ob sie den Belastungen gewachsen sind. Saur: "Ein solcher Test müsste aber auf jeden Fall mit einer qualifizierten Beratung verbunden sein." Ablehnend äußert sich der Philologenverband gegenüber dem geplanten zweiwöchigen Orientierungspraktikum zu Beginn des Studiums, da zu diesem Zeitpunkt bei den Praktikanten die fachlichen Voraussetzungen noch nahezu komplett fehlen. Des Weiteren wäre mit einem solchen Praktikum eine zusätzliche Belastung der betreuenden Fachlehrer und Ausbildungslehrer verbunden, die im täglichen Schulbetrieb nicht zu bewältigen sei. Zu befürchten sei ferner ein viel zu geringer Erkenntnisgewinn in einer nur 14-tägigen "Schnupperphase".

Kritisch gesehen wird vom Philologenverband, dass das 13-wöchige Schulpraxissemester künftig bestanden werden muss. "Das Praxissemester sollte wie bisher seinen Orientierungs- und Beratungscharakter behalten", fordert Saur mit dem Hinweis, dass die beim Lehramtspraktikanten sich offenbarenden gravierenden Defizite in Gesprächen bzw. in einem Abschlussgespräch benannt und bewertet werden. "Dies eröffnet dem Lehramtsstudenten die Möglichkeit, an seinen fachlichen und pädagogischen Fähigkeiten im Verlauf des weiteren Studiums zu arbeiten und diese zu verbessern", so Saur.

Skeptisch äußert sich der Philologenverband über den Aufbau des reformierten Lehramtsstudiums in Modulform. Es berge die Gefahr, dass Freiräume und eigene Gestaltungsmöglichkeiten mit Schwerpunktbildungen zu stark eingeengt würden. "Ein angehender Lehrer muss auch ein adäquates Maß an Freiheit bei der Gestaltung seines Studiums nach eigenen Schwerpunkten haben", gibt PhV-Chef Saur zu bedenken. Schon jetzt leide der auf 18 Monate verkürzte Vorbereitungsdienst der Referendare daran, dass kaum noch Zeit vorhanden sei, zu experimentieren und eigene Erfahrungen zu sammeln. Die Referendare stünden unter permanentem Prüfungsdruck.

Der Philologenverband begrüßt die geplante Erhöhung des fachdidaktischen Anteils bei der Lehrerausbildung an der Universität. Bezüglich der Einrichtung des Studienfaches Naturwissenschaft und Technik (NwT) empfiehlt Verbandschef Saur, dass innerhalb des NwT-Studienfaches eine klassische Naturwissenschaft den Schwerpunkt bilden sollte.

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