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Verbundschulen bedrohen Existenz der Realschulen

Beherrscht die Landesregierung die Geister, die sie ruft?

Mehr zu: Hauptschule, Individuelle Förderung, Niedersachsen, Schulgesetz, Schulstruktur, Schulträger, Schule
Düsseldorf, 23.12.2008 -

Mit der Genehmigung von fünf weiteren Verbundschulen erweist das Schulministerium dem gegliederten Schulsystem im Allgemeinen und den Realschulen im Besonderen einen Bärendienst. Mit dem umstrittenen Paragrafen 83 des Schulgesetzes hat die Landesregierung eine Hintertür geöffnet, durch die immer mehr Kommunen schlüpfen, um in ihrer Region zu punkten. Ab dem kommenden Schuljahr wird es in Nordrhein-Westfalen bereits 13 Verbundschulen geben. In allen Fällen dient der Realschul-Bildungsweg dabei als Vehikel, reine Hauptschulen abzuschaffen.

"Der Realschullehrerverband NRW tritt ausdrücklich für den Erhalt der eigenständigen Hauptschulen ein. Dies darf jedoch nicht auf Kosten bestehender und gut funktionierender Realschulen geschehen", erklärt RLV-Vorsitzende Brigitte Balbach. Die Gefahr ist real: So ist die Kardinal-von-Galen- Realschule im münsterländischen Telgte durch die Angliederung eines Realschulzweigs an eine bestehende Hauptschule im benachbarten Ostbevern akut bedroht. In Telgte ist die Zahl der Anmeldungen massiv eingebrochen. Eine ähnliche Entwicklung befürchtet der RLV durch die Genehmigung der Verbundschule Uedem/Weeze für die Realschule Kalkar und umliegende Realschulen. Hier hatte sogar die Bezirksregierung Düsseldorf von einem Verbundsystem abgeraten – leider vergebens!

"Die Landesregierung bekennt sich zwar nach außen zum vielgliedrigen Schulsystem. Mit dem Paragrafen 83 zeichnet sie allerdings den Weg in die Zweigliedrigkeit vor. Es ist nicht verwunderlich, dass das Begehrlichkeiten bei Kommunalpolitikern weckt, die hier vermeintliche Haushaltseinsparungen wittern, und zwar nicht nur in ländlichen Gebieten. Daher gehen wir davon aus, dass viele Städte und Gemeinden auch ohne Not Verbundschul-Modelle einrichten wollen. Das Ministerium gibt ja auch unumwunden zu, dass weitere Anträge von Schulträgern erwartet werden", so Balbach. Aus Sicht des RLV droht hier ein Verdrängungswettbewerb, der auf dem Rücken der Realschulen ausgetragen wird.

"Wir sind gespannt, ob die Landesregierung die Geister, die sie ruft, noch beherrschen kann. Verbundschulen können jedenfalls keine Antwort sein – weder im Hinblick auf die Herausforderungen des demografischen Wandels noch auf die notwendige Qualitätssteigerung. Was wir brauchen, sind kleinere Klassen und mehr individuelle Förderung", betont die RLV-Vorsitzende. "Die hohe Qualität der Realschulen darf auf dem Irrweg zur Verbundschule nicht geopfert werden. Wir erwarten die Wertschätzung unserer Arbeit an Realschulen, indem die Schulform durch das MSW weiterentwickelt wird, statt sie zur Sanierung der Hauptschulen zu missbrauchen."

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