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Sekundärtugenden werden wieder wichtiger

VBE macht sich für ein verträglicheres Miteinander stark

Mehr zu: Baden-Württemberg, Elternarbeit, Gewalt in der Schule, Integration, Killerspiele, Medienkompetenz, Stundentafel, Werteerziehung, Schule
Stuttgart, 08.01.2009 -

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg bemän­gelt, dass über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen gerne "herge­zogen" werde, dass diesen aber häufig die positiven erwachsenen Vorbilder fehlten. "Wer möchte, dass den Schülern von heute wieder Werte wichtig sind, muss diese selber vorleben", so der VBE-Sprecher. Die Schule sei mit der Werteerziehung heillos überfordert, wenn das soziale Umfeld der Schü­ler nicht entsprechend mitziehe.

"Kinder und Jugendliche brauchen auf dem Stundenplan keinen Benimmunter­richt, sondern in erster Linie Erwachsene, die ihnen durch ihr Verhalten vorma­chen, was gutes Benehmen ist", mahnt der VBE-Sprecher an. Kleinkinder lern­ten vor allemdurch Nachahmen, und auch ältere orientierten sich stets an ihrem sozialen Umfeld. Jugendliche in einem bestimmten Alter wollen sich dagegen durch ihr flegelhaftes Verhalten und durch ihre eigene, rüpelhafte Spra­che bewusst von Erwachsenen abgrenzen. Dass diese jungen Menschen sprach­lich immer ausfälliger werden müssen, ist mit die Folge davon, dass sich Er­wachsene im Alltag zunehmend einer Fäkal- und Gossensprache bedienen.

Lehrer, die lässig und durchaus gekonnt den Jugendslang im Klassenzimmer imitieren, werden von Schülern eher weniger ernst genommen.

Erschreckend ist, dass heute selbst Kindergarten- und Grundschulkinder Kraft­ausdrücke benützen, die noch vor gar nicht so langer Zeit einem alten Seebären die Schamröte ins Gesicht getrieben hätten. Etliche Kinder verwenden Begriffe, ohne deren Bedeutung auch nur annähernd zu verstehen (Fixer-Wichser). "Schlimme" Worte schnappen die Kleinen nicht unbedingt in der Familie auf. Das Fernsehen liefert die ganze Bandbreite der Schimpf- und Tabuwörter bereits am frühen Nachmittag frei Haus. Aber auch wie Eltern miteinander umgehen, Nachbarn, Menschen in den Geschäften, die Stars im Fernsehen - all das färbt auf Kinder und Jugendliche ab. Hört der Nachwuchs selber noch ein Bitte oder ein Danke - oder sind das für Kinderohren selten gewordene Worte?

Die aktuellen Bildungspläne setzen einen erziehenden Unterricht voraus. Dieser Verantwortung stellen sich die Lehrer, fühlen sich dabei aber häufig allein ge­lassen, manchmal schlichtweg überfordert.

Wer Kinder und Jugendliche mit gutem Benehmen will, wird sie nicht durch Appelle bekommen. Das ständige (spielerische) Einüben ist wichtig. Das eigene Vorbild ist gefragt. Auch Höflichkeit wirkt ansteckend.

"Sekundärtugenden", wie sie von der Wirtschaft wieder verstärkt bei der Ausbil­dung eingefordert werden, können bei Schülern mehr Gewicht bekommen, wenn sie erleben, dass diese Werte den Erwachsenen selber wichtig sind.

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