Bayerischer Philologenverband (bpv)
Große Skepsis beim Bayerischen Philologenverband über Effekte des frühzeitigen Fremdsprachenunterrichts
Max Schmidt fordert Evaluierung des Englischunterrichts an bayerischen Grundschulen
Mehr zu: Bayern, Forschung, Fremdsprachen, Grundschule, Stundentafel, SchuleNach einer Tagung mit Englisch-Lehrkräften hat sich der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt enttäuscht und kritisch über die Effekte und Ergebnisse des frühen Fremdsprachenlernens an bayerischen Grundschulen geäußert, wie es seit rund sieben Jahren praktiziert wird. Schmidt erklärte: "Die Mehrzahl der Englischlehrer an Gymnasien macht die Erfahrung, dass es nach wie vor keine Verständigung und keine Verlässlichkeit darüber gibt, auf welchem Englischkenntnisstand man am Gymnasium aufbauen kann. In Fächern wie Deutsch und Mathematik ist dies selbstverständlich."
Der bpv-Vorsitzende kritisierte: "Wenn unsere Kolleginnen und Kollegen feststellen, dass nach sechs bis acht Wochen am Gymnasium die Vorkenntnisse aus den Grundschulen ein- bzw. überholt sind, stellt sich die Frage nach der Berechtigung des Aufwandes, der an den Grundschulen für den Englischunterricht getrieben wird. Wir kritisieren ausdrücklich nicht die Arbeit der Grundschullehrkräfte, wir halten aber das Gesamtkonzept für falsch, ineffektiv und sogar schädlich."
Schmidt verwies in diesem Zusammenhang auf mehrere aktuelle Studien und Stellungnahmen von Dr. Böttger, Prof. Pienemann und Prof. Stern, die alle zu dem Schluss kommen, dass die überstürzte Einführung des spielerischen Fremdsprachenlernens an den Grundschulen ein Fehlschlag war. Selbst die Hoffnung, das frühe Fremdsprachenlernen würde die Kinder stärker dafür begeistern und motivieren, habe sich nicht erfüllt. Gymnasiallehrer berichten immer öfter, dass der Englischanfangsunterricht am Gymnasium von vielen Kindern nicht ernst genommen werde, weil sie der Meinung seien, dass man dort nichts leisten müsse und nur spielen könne.
Als Ursachen für den Misserfolg nannte der bpv-Vorsitzende die nach wie vor unzureichende Anzahl an richtig dafür ausgebildeten Grundschullehrkräften und die Tatsache, dass es auch noch keine verbindlichen Standards gebe, die in Englisch nach der vierten Klasse Grundschule erreicht werden müssten. Zudem seien sich die Fremdsprachenforscher einig, dass nur täglicher Fremdsprachenunterricht bei jüngeren Schülern erfolgreich sein könne. Dafür fehlten aber in der Stundentafel der Grundschulen die Stunden. Schon jetzt sei es ärgerlich, dass die Einführung von Englisch auf Kosten des so wichtigen muttersprachlichen Unterrichts erfolgt sei.
Der bpv-Vorsitzende forderte das Kultusministerium auf, umgehend eine ehrliche Evaluation des Englischunterrichts an den bayerischen Grundschulen ohne jeden Versuch der Schönfärberei vorzulegen. Er betonte abschließend: "Jede Reform rechtfertigt sich nicht aus sich selbst, sondern nur durch feststellbare positive Leistungsergebnisse. Es ist höchst bedauerlich und auch unverständlich, dass dies in diesem Fall bis heute nicht erfolgt ist."
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