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Reformansätze überzeugen die Bevölkerung nicht!

Bildungsbarometer zur Schulstruktur

Mehr zu: Bildungswesen, Deutschland, Elternarbeit, Föderalismus, Forschung, Schulentwicklung, Schulstruktur, Statistik, Schule
Landau, 27.01.2009 -

Das Bildungsbarometer zur Schulstruktur bestätigt die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Vorschlägen zu veränderten Strukturen in allgemeinbildenden Schulen. Keines der Reformvorhaben vermag die Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen. Kritik ernten die Projekte Ganztagsschule, G8 und Gemeinschaftsschule. Änderungsbedarf sehen die Befragten auch beim föderalen System.

74% der Befragungsteilnehmer beklagen die Belastung durch G8. Zwar könnte den Befragten zufolge der Ganztagsunterricht helfen, das G8 besser zu gestalten. Doch sehen etwas mehr als 15% sehen keinen Unterschied zum 9jährigen Gymnasium und nur eine verschwindend geringe Anzahl von Personen konstatiert eine Verbesserung der Belastungssituation. Rund ein Viertel der Befragten kritisiert, dass trotz des Ganztagsunterrichts zu Hause noch gelernt werden müsse.

Und wie soll das Deutsche Schulsystem gegliedert sein? Rund 29% der Befragten wollen eine gemeinsame Schule für die Kinder bis zum Abschluss der Sekundarstufe I, 31,6% möchten Kinder bis zur 4. Klasse in einer gemeinsamen Schulart sehen, 24,7% sind für gemeinsame Beschulung bis zur Klassenstufe 6. 11,6% würden dieses Gemeinsame gerne noch bis in die 8. Klassenstufe fortgesetzt wissen.

"Die Bevölkerung erkennt, dass Reformen erforderlich sind, sie ist aber unentschlossen, welcher Weg zum Ziel einer besseren Bildung führt", erläutert Prof. Dr. Reinhold S. Jäger vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, die Ergebnisse der Befragung und ergänzt: "Die Unzufriedenheit der Bevölkerung zeigt: Schnellschüsse in der Bildungspolitik haben keinen Rückhalt in der Bevölkerung und gehen auf Kosten der Schülerinnen und Schüler. An der Qualität der Bildung ändern sie nichts. Darüber hinaus fehlt es aber der Bildungspolitik an der Vermittlungskraft, die verschiedenen Modelle transparent darzustellen und zugleich plausibel zu machen, warum zwischen den Bundesländern solch massive Strukturunterschiede im Bildungssystem existieren"

Norbert Milte, Geschäftsführer der Schülerhilfe, erfährt durch die tägliche Praxis in den Nachhilfeschulen, wo die Probleme liegen: "Die Struktur des Bildungssystems überfordert viele Schülerinnen und Schüler. Aber auch die Lehrer und Eltern leiden darunter, dass das System die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler vernachlässigt." Er empfiehlt: "Reformen sollten an die Erfahrungen der Eltern und Lehrkräfte anknüpfen. Daher sollten sie in die Gestaltung der Schulstruktur einbezogen werden."

An der Befragung des Bildungsbarometers nahmen 1816 Befragten aus der ganzen Bundesrepublik teil. Die Stichprobe ist spezifisch repräsentativ. Das Bildungsbarometer ist eine gemeinsame Aktion von zepf und Schülerhilfe. Das nächste Bildungsbarometer startet Anfang März. Dann steht das Thema "Nachhilfe" auf dem Prüfstand.

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