Kultusstaatssekretär Georg Wacker: Zunahme von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen erfordert Vernetzung und regionalen Informationsaustausch
Symposien sollen Impulse für die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Ärtzen und Therapeuten geben
Mehr zu: Baden-Württemberg, Gesundheit, Prävention, Stiftungen, Schule"Es ist entscheidend, psychischen Problemen und Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig vorzubeugen. Wir wollen die Lehrkräfte in Baden-Württemberg im Umgang mit Schülerinnen und Schülern und bei der Vernetzung mit Experten aus der Medizin unterstützen", sagte Kultusstaatssekretär Georg Wacker MdL heute (29. Januar) auf einer Pressekonferenz in der Gewerblichen Schule im Hoppenlau in Stuttgart.
Gemeinsam mit Heinz Kaltenbach, Stellvertreter des Vorstandes des Betriebskrankenkassen Landesverbandes Baden-Württemberg (BKK), stellte Schirmherr Georg Wacker das neue Projekt "Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen im Schulalltag" vor. Es beinhaltet drei ganztägige Symposien in Mannheim, Freiburg und Ulm. Zielgruppe der Veranstaltungen sind Lehrkräfte weiterführender Schulen, Mediziner und Therapeuten. "Damit wollen wir beginnen, einen schon lange beklagten Missstand auszuräumen: Nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer und Eltern sollen sich nicht alleine gelassen fühlen und schnell und unbürokratisch Hilfe erlangen", sagte Kaltenbach.
Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Kultusministerium, dem Ministerium für Arbeit und Soziales und dem BKK Landesverband Baden-Württemberg. Das Programm der Symposien besteht jeweils aus einem Impulsreferat von Experten der Region sowie vertiefenden Workshops zu den Themen Angststörungen, Depression, Selbstverletzung und schizophrene Erkrankungen. Schulen sollen die Möglichkeit haben, sich direkt mit den regionalen Beratungsstellen und niedergelassenen Medizinern zu vernetzen. Fragen nach der Früherkennung psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen, nach dem Stand der Forschung und den Behandlungsmöglichkeiten oder nach regionalen Hilfsangeboten sollen auf den Symposien behandelt werden.
Insgesamt nehmen psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu. In der KIGGS-Studie (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) des Robert-Koch-Instituts wurden im Zeitraum von 2003 bis 2006 Daten zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 16 Jahren erhoben. Danach lassen sich 11,5 Prozent der Mädchen und 17,8 Prozent der Jungen als verhaltensauffällig einstufen. Emotionale Probleme traten bei 9,7 Prozent der Mädchen und 8,6 Prozent der Jungen auf.
Mit dem BKK Landesverband Baden-Württemberg wurden bereits das Schüler-mentorenprogramm "Aktive Teens" zur Suchtprophylaxe unter der Schirmherrschaft von Kultustaatssekretär Wacker, sowie das Projekt "bauchgefühl" zur Prävention von Essstörungen unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Arbeit und Soziales, Frau Dr. Stolz, umgesetzt. Der BKK Landesverband Baden-Württemberg unterstützt eben-falls das ADHS-Symposium "Schnittstellen von der (Grund)Schule bis zum Beruf", das im März in Karlsruhe stattfinden wird.
Das Kultusministerium befasste sich in der Vergangenheit im Forschungsprojekt "Chronisch kranke Kinder und Jugendliche in den allgemeinen Schulen" (2003 bis 2006, finanziert durch die Bosch-Stiftung) bereits mit den Themen Angststörung, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, Borderline, Ess-, Sucht- und Zwangsstörung. Im Rahmen dieses Projektes stellte das Kultusministerium den regionalen Arbeitsstellen Kooperation in den Staatlichen Schulämtern eine von Pädagogen und Medizinern erstellte CD mit Hinweisen zu den Krankheitsbildern für den Schulalltag zur Verfügung. Zur Prävention von psychischen Erkrankungen gehört auch eine gelungene Trauerarbeit. Der Tod von nahestehenden Personen kann Auslöser für Depressionen und Angststörungen sowie für eine Suchtentwicklung sein. Das Kultusministerium hat zu diesem Thema bislang rund 70 000 Exemplare der Handreichung "Vom Umgang mit Trauer in der Schule" an Schulen und weitere Einrichtungen versandt.
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