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VBE: Ist der Hauptschulabschluss für alle womöglich bald auch an Realschulen und Gymnasien Alltag?

Mehr zu: Baden-Württemberg, Gymnasium, Hauptschule, Realschule, Schulabbrecher, Schulentwicklung, Werkrealschule, Schule
Stuttgart / Karlsruhe, 18.02.2009 -

An der "neuen" sechsjährigen Werkrealschule kann nach dem jetzt vorlie­genden Eckpunktepapier des Kultusministeriums künftig regulär auch der Hauptschulabschluss wie bisher nach fünf Jahren erworben werden. Da "echte" Hauptschulen zwar (noch) Bestandsschutz genießen, aber mangels Schüler sang- und klanglos aus der Schullandschaft verschwinden werden, würde es den Verband Bildung und Erziehung (VBE) nicht wundern, wenn der ordentliche Hauptschulabschluss demnächst auch an der Realschule oder am Gymnasium Alltag sein könnte.

Bei der Einführung der Werkrealschule (alt) hieß es einst, dass höchsten 15 bis 20 Prozent eines Hauptschülerjahrganges in die zehnte Klasse wechseln können, um dann dort den mittleren Abschluss zu erreichen. Diese Zahlen werden sich nach Auffassung der VBE-Verbandsleitung auch nach Einführung der neuen Werkrealschule nur unwesentlich verändern.

Wenn das Kultusministerium jetzt diese neue Schulart neben der Realschule und dem Gymnasium etablieren will, heißt das, dass das Ministerium billigend in Kauf nimmt, dass ein Großteil der Schüler das Ziel der neuen Werkrealschule nach sechs Schuljahren gar nicht schaffen wird, weil die Jugendlichen überfor­dert sind. Die Zahl der "Schulabbrecher" nach fünf Jahren wird also zwangswei­se dramatisch in die Höhe schnellen, nicht weil die Schüler schlechter geworden sind, sondern weil das Ministerium es so will, und das, obwohl bundesweit die Kultusminister eigentlich alles unternehmen, um Schulabbrecher in der Statistik weniger stark zu Buche schlagen zu lassen.

Wenn das Ministerium nun praktisch per Erlass bereits bei der Schulaufnahme in der fünften Klasse das vorzeitige Ausscheiden der Schüler mit einplant, könn­te man entweder gleich alle Schulen zu einer Schulart zusammenfassen oder gestatten, dass Kinder sich zum Bildungsgang "Hauptschule" an einer Realschu­le oder an einem Gymnasium anmelden. Bereits heute erwirbt ein Gymnasiast oder Realschüler durch Versetzung von Klasse 9 nach 10 automatisch den Hauptschulabschluss. Warum dann überhaupt noch "neue Werkrealschule"?

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