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"besser zusammen" - 2009 ist das "Jahr der inklusiven Bildung"

Erdsiek-Rave: Alle Kinder haben ein Recht auf hochwertige Bildung

Mehr zu: Europa, Inklusion, KITA, Schleswig-Holstein, Schule
Kiel, 20.02.2009 -

"besser zusammen" - unter dieser Überschrift steht das "Jahr der inklusiven Bildung" 2009 in Schleswig-Holstein, das Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (20. Februar) in Kiel vorgestellt hat. Mit Informationstagen, Diskussionsrunden und vielen anderen Veranstaltungen und Veröffentlichungen sollen das Konzept der "inklusiven Bildung" in der Öffentlichkeit bekannt gemacht und mögliche Vorbehalte abgebaut werden. "Wenn es normal ist, Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit anderen in einer inklusiven Schule zu unterrichten, profitieren alle Schülerinnen und Schüler davon", sagte die Ministerin. "Für die meisten anderen Staaten ist Inklusion längst Kern aller Reformen. Deutschland hinkt da noch weit hinterher. Das ist auch bei der Weltbildungskonferenz in Genf im November vergangenen Jahres deutlich geworden." Dort leitete Erdsiek-Rave die deutsche Delegation.

Sie wies darauf hin, dass Deutschland vor kurzem die UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen ratifiziert hat, die im Kern das Recht auf qualitativ hochwertige Bildung für alle anerkennt. Das schließe Kinder mit Behinderung ein - aber inklusive Bildung meine auch zum Beispiel Kinder aus sozial randständigen Milieus oder aus ethnischen Minderheiten. "In Deutschland besuchen diese Kinder viel zu oft Sonder- oder Förderschulen, wo sich Probleme konzentrieren und erfolgreiches Lernen manchmal kaum mehr möglich ist." Es sei Aufgabe der Regierungen auf allen Ebenen, das in der Konvention formulierte Recht in die Tat umzusetzen, so Erdsiek-Rave weiter. "Diese Aufgabe mache ich mir zu Eigen."

Im europäischen Ausland besuchten 2006 durchschnittlich 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine spezielle Förderschule, 85 Prozent wurden inklusiv unterrichtet. In Deutschland war das Verhältnis im Durchschnitt genau umgekehrt, wobei das Ergebnis in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ausfällt. Erdsiek-Rave: "Wir brauchen bundesweit einen Wechsel in der pädagogischen Blickrichtung. Denn inklusive Bildung meint: Nicht das Kind muss sich an die bestehenden Schulen anpassen, es muss umgekehrt sein. Eine inklusive allgemein bildende Schule heißt jedes Kind willkommen, auch und gerade wenn es gesundheitliche, soziale oder Lern- und Leistungsprobleme hat."

Schleswig-Holstein beschreite diesen Weg bereits seit mehr als zehn Jahren. "Inzwischen werden bei uns mit 45 Prozent bereits fast die Hälfte der Förderschüler integrativ in Regelschulen unterrichtet. Das ist die höchste Quote aller Flächenländer in Deutschland", so die Ministerin weiter. "Diese Entwicklung wollen wir Schritt für Schritt weiter vorantreiben und spätestens in zehn Jahren auf europäischem Durchschnitt sein." Kern dieser Entwicklung sei die Umstrukturierung der Sonderschulen in Förderzentren. "Förderzentren sind keine gesonderte Schulform im üblichen Sinne, sondern Kompetenzzentren, die Sonderpädagogen und andere Experten auch präventiv an Kitas und Schulen schicken, um die Lehrer und Erzieher bei der Integration benachteiligter Schüler zu unterstützen." In einigen Förderzentren gebe es daher bereits gar keine eigenen Schüler mehr. Das Landesförderzentrum "Sehen" in Schleswig sei zum Beispiel bundesweit einzigartig in seinem Förderbereich, weil es ausschließlich integrativ arbeite.

Darüber hinaus nannte Erdsiek-Rave weitere Bausteine für die Entwicklung hin zur inklusiven Schule in Schleswig-Holstein: "Wir haben die Zurückstellung der Kinder vom Schulbesuch abgeschafft und die Eingangsphase der Grundschule eingerichtet, in der Kinder die ersten beiden Schuljahr individuell in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen können. Zudem haben wir das international längst unübliche Sitzenbleiben erheblich reduziert und längeres gemeinsames Lernen sowohl in den Regionalschulen, insbesondere aber in den Gemeinschaftsschulen im Sinne einer Schule für alle eingeführt."

Ein wichtiges Instrument der Inklusion ist auch die vorschulische Sprachförderung für Migrantenkinder und für viele deutsche Kinder mit Sprachproblemen. "In diesem Bereich fördern wir inzwischen flächendeckend und stellen dafür allein in dieser Legislaturperiode 27 Millionen Euro bereit." Zur Sprachförderung in den Schulen gebe es inzwischen in allen Kreisen Deutsch-als-Zweitsprache (DAZ)-Zentren für Kinder nichtdeutscher Muttersprache.

Am "Jahr der inklusiven Bildung" 2009 beteiligen sich nicht nur Schulen, sondern auch viele Verbände und Institutionen. "Ich freue mich besonders, dass die Deutsche UNESCO eng mit uns zusammenarbeitet und uns auch bei mehreren Veranstaltungen unterstützen wird", sagte Erdsiek-Rave. Ebenso mit im Boot seien die Europäische Akademie für Inklusion mit Sitz in Rendsburg und Neumünster, das Inklusionsbüro des Vereins Lebenshilfe und die Beratungsstelle inklusive Schule im Aus- und Fortbildungsinstitut IQSH zur Weiterentwicklung des Gemeinsamen Unterrichts. Unterstützt wird das Aktionsjahr auch vom Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Ulrich Hase.

Ein Schwerpunkt des Jahres liegt darauf, allen die Möglichkeiten und Chancen inklusiver Bildung bewusst zu machen. Das reicht von Informationstagen an Schulen über den "Integrativen Song Contest" in der Kieler Pumpe (31. März) bis zu einer international besetzten Tagung am 25. April in Rendsburg. Dort werden hochkarätige Expertinnen und Experten wie die Bundesbehindertenbeaufragte Karin Evers-Meyer in Vorträgen und Arbeitsgruppen aktuelle und mögliche künftige Entwicklungen in der inklusiven Bildung diskutieren. Eine kalendarische Übersicht, die laufend aktualisiert wird, findet sich auf dem Bildungsportal im Internet unter www.bildung.schleswig-holstein.de.

Erdsiek-Rave betonte abschließend die hohe Bedeutung von Bildung für eine demokratische Gesellschaft. "Sie ist darauf angewiesen, dass alle Kinder durch Bildung und Werteerziehung darauf vorbereitet werden, sich aktiv an ihrer Gestaltung zu beteiligen. Und auch wirtschaftlich kann es sich kein Land leisten, auf Begabungen zu verzichten. Also müssen diese bei jedem Kind best möglich gefördert werden. Ich bin davon überzeugt, dass sich Inklusion positiv auswirkt auf die Entwicklung aller Schülerinnen und Schüler, auf ihr soziales Verhalten und Leistungsvermögen. Wir haben bereits große Anstrengungen in Richtung inklusive Schule unternommen. Aber es sind weitere Schritte erforderlich, damit dieser Ansatz in Deutschland zur Normalität wird."

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